Full text : Die Bodenreform im Lichte des humanistischen Sozialismus

Zur  Erinnerung  an  Heinrich  Wehberg.

IX

eine  ehrenvolle  Stellung  an  der  Bonner  Universität  als
Dozent  anbot,  da  lehnte  er  ab,  weil  er  sich  dann  nicht
genug  dem  widmen  konnte,  was  ihm  als  der  höchste  Beruf
des  Mannes  galt,  dem  Kampfe  für  den  Fortschritt  auf
sozialem  Gebiete.  Er  ließ  sich  1880,  nachdem  er  in  Tübingen,
Greifswald  und  Bonn  studiert  hatte,  als  Arzt  nieder  und
hat  in  Düsseldorf  33  Jahre  eine  ausgedehnte  Praxis  ausgeübt. ­
  Mehrere  Jahre  war  er  leitender  Arzt  des  Sanatoriums
Waldesheim.  Auf  medizinischem  Gebiete  war  er  stets  bemüht, ­
  dem  Fortschritte  die  Wege  zu  ebnen.  Er  gehört  zu
den  allerersten,  die  in  Deutschland  für  die  Antialkoholbewegung ­
  eintraten.
Im  Jahre  1885,  im  dreißigsten  Lebensjahre  (er  war  am
26.  September  1855  auf  dem  Gute  Berge  bei  Volmarstein
an  der  Ruhr  geboren),  wurde  Wehberg  mit  der  Bodenreformidee ­
  durch  das  Buch  „Demokratie  und  Bismarck,  ein
ehrliches  Wort  über  das  Recht  auf  Arbeit“  (1885)  von
Ferdinand  Gilles  bekannt.  Gilles  gehörte  mit  ihm  dem
Düsseldorfer  Wahlverein  der  deutschen  Fortschrittspartei  an
und  hatte  in  dem  erwähnten  Buche  auf  Flürscheims
Ideen  hingewiesen.  Wehberg  suchte  den  Wahlverein  für
die  Bodenreformidee  zu  gewinnen  und  zog  sich,  als  dieser
sich  abgeneigt  zeigte,  von  ihm  zurück.
Bei  der  am  4.  Juli  1886  erfolgenden  Begründung  der
Landliga  wurde  Wehberg  in  den  Vorstand  dieser  Vereinigung ­
  gewählt.  Diese  entfaltete  einige  Monate  lang  eine
überaus  eifrige  Propaganda  für  die  Bodenreformbewegung
und  erregte  auch  viel  Beachtung.  Bereits  der  erste  Jahrestag ­
  der  Vereinigung  am  30.  Mai  1887  zeigte  jedoch  schon
ihre  Ohnmacht.  Wehberg  schrieb  über  diese  Versammlung,
er  sei  aus  ihr  sehr  deprimiert  fortgegangen;  denn  was  er
gefunden,  seien  nicht  die  Männer,  die  eine  große  Reform
zustande  bringen  könnten.  Als  dann  Flürscheim  an
die  Gründung  eines  neuen  Bundes  dachte,  schloß  sich  ihm
            
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