Full text: Die Bodenreform im Lichte des humanistischen Sozialismus

150 Die Wohnungsfrage. 
Reformen wie z. B. die Verstaatlichung der Bergwerke den 
Zinsfuß lierabdrückt. 
Trotz des Abzuges aus den Städten wird auch hier die 
Bautätigkeit nickt erlöschen, denn die zunehmende Wohl 
habenheit der gesamten Bevölkerung wird die Befriedigung 
der Sehnsucht nach größeren Wohnräumen gestatten. Aller- 
wärts wird man begreifen, daß man wohl zu gut essen und 
trinken, aber nie zu gut wohnen kann. 
Die betrübenden Zustände in der systematischen Aus 
räubung des Bauhandwerkes haben die öffentliche Auf 
merksamkeit sehr in Anspruch genommen und die Parteien 
sehr beschäftigt. Das alte Manchestertum freilich ist gleich 
mit dem guten Rate an die Bauhandwerker usw. bei der 
Hand, diese möchten nur etwas vorsichtiger sein und sich 
die Leute ansehen, denen sie ihre Arbeit gäben. Als wenn 
heute die einzelnen Handwerker, die leider meist der ge 
nossenschaftlichen Organisation entbehren, demübermächtigen 
Kapitale Bedingungen stellen könnten! 
Die Konservativen und Klerikalen sind schon eher für 
Maßregeln, auch für die, welche wir nachher vorführen 
werden, soweit es den Schutz der Bauhandwerker angeht. 
Sie tun das um so eher, als sie damit die Aufmerksamkeit 
des darbenden Volkes von den eigentlichen Grundursachen 
der sozialen Not, der Anhäufung von ungeheuren Grund 
flächen in den Händen der Großgrundbesitzer ablenken zu 
können vermeinen. 
Die wirksamsten Vorschläge beziehen sich nun darauf, 
den Handwerkern usw. eine sogenannte Vorzugshypothek zu 
geben; d. h. die Forderungen dieser Leute sollen ipso jure 
den Vorrang vor allen Hypotheken haben, so daß sie ihres 
Lohnes sicher sind. 
Es ist daher erklärlich, daß es eine große Erregung, zu 
mal in den Handwerkerkreisen, verursachte, als die erste 
Kommission des Bürgerlichen Gesetzbuches im Jahre 1887
	        
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