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Dritter Teil. Industrie.
An vierter Stelle ist die am Intermain und Mittelrhein konzentrierte chemische
Großindusttie in Lochst, Griesheim a. M., bei Frankfurt und Ludwigshafen an
zuführen?) Ihr reihen sich die der Chemie im weiteren Sinne zugehörigen Export-
industrien an, zunächst die Zucker fabrikatton der Provinz Sachsen (Magdeburg)?* **) )
Lier wie im Osten und Nordosten sind außerdem die Branntweinbrennerei und
die Stärkefabrikation zu Lause. Die Bierbrauerei hat ihren Lauptsitz in
München, dann in den Großstädten Berlin, Lamburg, Dresden, Dortmund rc.;
bekanntlich hat sich ihr Produkt weit über Deutschlands Grenzen eingebürgert.
Weiter sind die Ein- und Ausfuhrstellen, die Lafenplätze der Nord- und Ostsee,
naturgemäß zu Standorten für die Verarbeitung und Veredlung der auf dem Seeweg
eingeführten Rohstoffe, wie Roggen, Läute, Jute, Tabak, Reis, Kakao usw. geworden
und werden dies immer mehr und inehr. An den mächtigen Fabriken, die für jene
Zwecke in Lamburg, Bremen, Kiel, Stettin usw. errichtet worden sind, gibt sich vorläufig
nur die Tendenz kund, in der sich die gesunde Entwickelung fortsetzen wird.
In den Großstädten — vor allem in der Reichshauptstadt selbst — führte
ein anderes Moment zur örtlichen Konzentration gewisser Industrien, nämlich das
überreichliche Angebot billiger, namentlich weiblicher Arbeitskraft. Berlin beschäftigt
in der Bekleidungsindustrie (hauptsächlich Konfektion)***) 100000,in der Metall
industrie 74000, in der Klavier- und Möbelfabrikation 34000, in den
polygraphischen Gewerben 29000 Personen, überhaupt ist Berlin mit seinen
460000 Arbeitern die mächtigste Industriestadt des Deutschen Reiches. Relativ mehr
Arbeiterbevölkerung haben nur Dortmund mit 637, Barmen mit 596, Chemnitz mit 570,
Aachen mit 537, Düsseldorf mit 552, Elberfeld mit 538 Arbeitern und Familien
angehörigen auf je 1000 Einwohner.
Endlich haben wir, um ein Gesamtbild zu geben, noch einige Spezialitäten und
ihre altrenommierten Fabrikationssitze zu erwähnen: so die Porzellansabrikation
in Meißen und Berlin, den Buchdruck und den Pi an ob au in Leipzig, Berlin,
Stuttgart, die Leder- und Lederwarenindustrie in Pirmasens, Offenbach, Berlin,
Weißenfels, Siegen und Reutlingen, die Feinmechanik und Optik****) in Rathenow,
Lalle, Jena, München, Tuttlingen, die Zucker- und Schokoladewarenfabrikation
in Köln, Dresden und Stuttgart.
6. Die Textilindustrie.
Von F. C. Luber.
Lj über, Deutschland als Industriestaat. Stuttgart, I. G. Cotta Nachfolger, tM.
S. -l2l-427.
Inter den Industrien Deutschlands steht geschichtlich tvie dein Imfang des Außen
handels nach die Texttlindustrie an erster, der Zahl der beschäftigten Personen nach
an fünfter Stelle. Kein deutsches Gewerbe war von jeher so allgemein verbreitet und
*) s. den Aufsatz desselben Verfassers über „Die chemische Industrie" S. 326—328. — <8. LN.
**) s. den Aufsatz von kjermann Paasche über „Die Rübenzuckerindustrie" S. 528 —332.
***) s. den Aufsatz von Werner Sombart über „Die Konfektionsindustrie" 5. 332 —353.
Sonstige exportiudustrielle kjeimarbeit behandeln Rudolf Anschütz „Die Spielwarenindnstrie des
Meininger Gberlandes" S. 33<*—336 — und Eberhard Go thein „Die Schwarzwälder Uhren
industrie" S. 337—338. — G. M.
****) s. den Aufsatz von Karl Faulhaber über „Die optische Industrie" S. 338—3^1. — G. M.