Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

9.  Der  Straßburger  Handel  am  Anfange  des  19.  Jahrhunderts.

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kehrs

-  zu  verlangen.  Doch  traten  bald  Ereignisse  ein,  welche  den  Straßburger
slandelsstand  für  diesen  Verlust  in  reichem  Maße  entschädigten  und  jene  Forderung
r  einige  Zeit  in  den  Hintergrund  geraten  ließen,
jj.  _Srrt  Jahre  1803,  kaum  ein  Jahr  nach  dem  Frieden  von  Amiens,  hatte  England
~! e  Feindseligkeiten  gegen  Frankreich  wieder  eröffnet.  Seine  Flotten  beherrschten  die
ee  und  sperrten  die  französischen  Häfen.  Die  überseeischen  Güter,  Kaffee,  Zucker,
r  ?uwwolle,  Farbstoffe,  Spezereiwaren  aller  Art,  mußten  neue  Wege  nach  Frank-^ch
  suchen,  und  da  war  es  Straßburg,  das  vermöge  seiner  vorzüglichen  Lage  am
•  ^iri  und  der  alten  kaufmännischen  Schulung  seines  Handelsstandes  berufen  war,
die  Lücke  zu  treten  und  als  Vermittelungs-  und  Stapelplaß  für  den  überseeischen
Verkehr  Frankreichs  zu  dienen.
So  oft  die  holländischen  Häfen  für  die  Schiffe  der  neutralen  Staaten  offen
^aren,  wurden  von  dort  aus  große  Mengen  Kolonialwaren  den  Rhein  herauf  nach
-traßburg  befördert.  Dort  besorgte  der  Straßburger  Handel  deren  Weiterversand
'ach  den  angrenzenden  Departements,  nach  Paris  und  selbst  nach  Südfrankreich.
.  Eine  ungeahnte  Ausdehnung  nahm  ferner  die  Einfuhr  von  Baumwolle  aus
er  Levante.  Straßburg  war  die  gegebene  Einfuhrstelle  für  diese  Ware,  welche  auf
em  langen  Landweg  über  Österreich  und  Süddeutschland  ihren  Weg  nach  Frank-^'ch
  suchen  mußte.  Ihren  größten  Umfang  erreichte  diese  Einfuhr  in  den  Jahren
*  .  9  und  1810.  Die  großen  Lagerhäuser  im  Straßburger  Kaufhause  waren  unzureichend, ­
  um  die  zugeführten  Baumwollmengen  zu  fassen,  und  die  Handelskammer
''ar  genötigt,  für  deren  Unterbringung  neue  Räumlichkeiten  zu  beschaffen;  das  alte
llest  ^aretenkloster  wurde  ihr  von  der  Militärbehörde  zu  diesem  Zwecke  zur  Verfügung
,  Nicht  weniger  bedeutend  war  in  jener  Zeit  der  französische  Export  über  Straß-"rg-
  Unser  Platz  vermittelte  damals  nicht  nur  die  Ausfuhr  derjenigen  Waren,  die
^ust  auf  dem  Seewege  nach  dem  Norden  gingen;  er  wurde  insbesondere  auch  der
'"pklplatz  für  die  Verproviantierung  der  in  Deutschland  und  zuletzt  in  Rußland
Operierenden  Truppen.  Diese  großen  Truppenbewegungen,  welche  oft  ihren  Weg
Uber  Straßburg  nahmen,  verschafften  auch  den  Produkten  der  eigenen  Provinz
'eichen  Absatz.  Besonders  aber  die  Erzeugnisse  Südfrankreichs,  Wein,  Branntwein,
und  Früchte,  kamen  auf  ungezählten  Lastfuhren  nach  Straßburg,  um  dort  auf
Pe  Rheinfchiffe  verladen  zu  werden.  Der  Talverkehr  auf  dem  Rheine  nahm  in
lenen  Jahren  einen  bisher  nicht  erreichten  Umfang.
Dieser  große  Geschäftsaufschwung  war  jedoch  nur  von  kurzer  Dauer;  er  ließ
nach  mit  dem  Aufhören  der  besonderen  Umstände,  die  ihn  ins  Leben  gerufen  hatten,
^chon  im  Jahre  1809  klagt  die  Handelskammer  über  den  Rückgang  der  Kolonialwareneinfuhr ­
  aus  Holland:  „In  dieser  Art  von  Geschäften",  sagt  sie  in  einem  Berichte
un  den  Präfekten,  „herrscht  heute  etwas  Ungewisses  und  sozusagen  Trügerisches,  das
dem  Geist  der  großen  Mehrheit  unserer  Kaufleute  nicht  zusagt."
Im  Jahre  1811  wurde  ferner  zugunsten  der  neu  erworbenen  illyrischen  Provinzen ­
  die  Baumwolleinfuhr  über  Straßburg  unterbunden.  —  Rach  dem  unglücklichen ­
  Ausgang  des  russischen  Feldzugs  ließ  auch  die  Ausfuhr  über  Straßburg
wesentlich  nach.
Die  Straßburger  Handelshäuser,  welche  damals  diesen  bedeutenden  internationalen ­
  Warenaustausch  vermittelten,  beschäftigten  sich  außerdem  alle  mehr  oder
weniger  mit  dem  Vertrieb  der  einheimischen  Bodenerzeugnisse.  Es
Muß  hier  auf  die  wichtigsten  derselben  näher  eingegangen  werden.
Die  erste  Stelle  im  Straßburger  Landesproduktenhandel  hatte  vor  der  Revolution ­
  und  noch  in  den  ersten  Jahren  des  Kaiserreichs  unstreitig  der  Tabak  eingenommen. ­
  Unter  der  Herrschaft  vollständiger  Freiheit  (das  Elsaß  lag  außerhalb  der
Mollat,  Volkswirtschaftliches  Quellenbuch.  4.  Ausl.  7
            
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