4. Die Carl Zeiß-Stiftung zu Jena.
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oder mit Verlust verkauft, um die Leute zu ernähren, und ihren Herd warm gehalten.
Wie ich den Verlust allein tragen muß, so ist auch der Gewinn mein von Rechts
wegen, denn ich habe ihn erworben mit meiner Kraft und meiner Sorge.
Ich habe das Bewußtsein, daß diese Werke ein Segen sind für das Land und
für die Arbeiter. Sie sind das umsomehr, weil mein Interesse mir empfohlen haben
würde, dieselben im Auslande zu errichten, wo ich früher und mehr Anerkennung
und Absatz gefunden habe und größere Vorteile haben würde.
Um die Lage meiner Arbeiter zu verbessern, war ich von jeher zunächst darauf
bedacht, ihnen ein möglichst sorgenfreies Dasein für die Zeiten zu verschaffen, in denen
sie selbst nicht mehr arbeiten könnten. Ihr selbst wißt es am besten, wie es mit
Kranken, Invaliden und ausgedienten Arbeitern bei uns gehalten wird. Dann habe
ich den Arbeitern Wohnungen gebaut, worin bereits 20 000 Seelen untergebracht
sind, habe Schulen gegründet, Schenkungen verliehen und Einrichtungen getroffen
zur billigen Beschaffung von allem Lebens- und Hausbedarf. Ich habe mich dadurch
in eine Schuldenlast gesetzt, die abgetragen werden muß. Damit dies geschehen kann,
muß jeder seine Schuldigkeit tun in Frieden und Eintracht und in Übereinstimmung
mit unseren Vorschriften.
Die jetzt allgemein verbreitete Geschäftsstille hat bereits viele Fabriken, Hütten
und Gruben unseres Landes empfindlich berührt. Geringe Preise haben geringe
Löhne zur Folge gehabt, und bei einigen Werken ist schon vollständiger Mangel an
Arbeit und dadurch Stillstand eingetreten.
In den verschiedenen Klassen der Gesellschaft gibt es Leute, die irrtümlich
die Besserung ihrer Lage von der Änderung der Verfassung, der Regierung und der
Gesetze erwarten, dabei aber das Wesentlichste vernachlässigen, was in ihrer eigenen
Gewalt liegt. Fleiß, Ordnung und Sparsamkeit ist der erste und sicherste Schutz
gegen die beklagte Not, und wo sie fehlen, helfen auch die beste Regierung und die
besten Gesetze nichts. Umwälzungen jeder Art sind ebenso verkehrte Mittel zur
Besserung der Lage, als wenn man ein Haus wegen einzelner Fehler abbrechen
wollte. Dann wird man obdachlos. Man verbessert und repariert und erhält das
Bestehende ....
Wer zurückblickt in die Vergangenheit, muß sich überzeugen, daß große Fortschritte
gemacht worden sind zum Besten aller und vor allem auch der arbeitenden
Klasse. Schlechte Zwischenzeiten müssen durch treues Zusammenhalten der Arbeiter
wit ihrem Arbeitgeber überwunden werden. Aber vor 50 Jahren lebte kein Arbeiter
so gut in Nahrung, Wohnung und Kleidung als heute. Keiner wird tauschen wollen
wit dem Lose seiner Eltern und Vorfahren.
4. Die Carl Jeih-Sttftung zu Jena.
Von Heinrich Herkner.
Herkner, Die Arbeiterfrage. 5. Ausl. Berlin, I. Guttentag, 1908. S. 343—348.
Vielleicht die merkwürdigste Wohlfahrtseinrichtung für Arbeiter, die es überhaupt
gibt, ist die Carl Zeiß-Stiftung in Jena. Hier ist der anscheinend gelungene
Bersuch unternommen worden, eine industrielle Anlage, welche Weltruf genießt und
lp06 ca. 1332 Arbeiter und 226 Beamte beschäftigte, nämlich die Optische Werkstätte
^arl Zeiß*), von der Dienstbarkeit für privatkapitalistische Interessen ganz freizu-*)
Von den beiden Unternehmungen der Carl Zeiß-Stiftung beschäftigte die Optische
^erkstätte (Firma Carl Zeiß) im Anfang Mai 1912 in Jena ca. 420 Beamte und ca.