524 Fünfter Teil. Berkehr. I. Zur Geschichte des Verkehrs.
Straßen genugsam erkennen läßt, so ist einleuchtend, daß bei dem vielfachen Hin
zutreten von Gewalttat und Räuberei nach Kräften die Wasserwege benützt wurden,
auch wenn sie die Fahrlinie bedeutend verlängerten, wie man auch in der Tiefebene
mehrfach zu Kanalbauten schritt.
Alles dies aber hat zur Folge, daß man für den Warentransport wenig haus
hälterisch mit der Zeit umging. Doch vor einer zifsermäßigen Aufstellung darüber
seien die meistbenützten, wenigstens von Reisenden und in den Verhandlungen am
öftesten genannten Linien angedeutet.
Verlauf der Hauptwege. Von Norden nach Süden lassen sich haupt
sächlich 4—5 Routen unterscheiden. Im Westen gingen längs des Rheines beiderseits
Hauptwege, was bei der damals verhältnismäßig noch größeren Bedeutung der
Wasserstraße an sich notwendig war. Von Utrecht und Deventer aus ging es
nach Köln, dann nach Mainz; östlich hierauf über Höchst zur Bergstraße, welche
schon 1002 mit ihrem Namen erwähnt wird; dann beim späteren Heidelberg über
den Fluß und entweder nach Breisach und Basel oder bei Breiten und Mühlacker
südöstlich über Vaihingen, Kannsiadt, Eßlingen, Göppingen nach Ulm, Kempten,
Reutte, Lermoos, Fernpaß, Imst, Landeck, Reschenpaß, Meran und über Eppan
und Kältern oder etwa über Bozen nach Trient. Die westliche Parallele war
meist doppelt; doch gaben die Plätze Worms, Speier, Straßburg der Uferlinie
eine vorwiegende Frequenz.
Der zweite durchgehende Hauptweg verlief durch das Wesergebiet, aber weit
weniger gradlinig. Man kam von Minden nach Herford, Detmold, über die Hoch
straße auf dem Eggegebirg zur Diemel, und es ging dann entweder südöstlich
über Fritzlar nach Melsungen an die Fulda und hier über Hersfeld, Fulda,
Schlüchtern nach Wllrzburg; oder man hielt sich direkter südlich und kam über die
obere Edder nach Marburg, Gießen, Butzbach, Friedberg, Frankfurt (auch Butzbach,
Idstein, Mainz). Der Weg von Würzburg ging über Ochsenfurt, Rotenburg,
Dinkelsbühl, Nördlingen, um dann einerseits über Neresheim bei Lauingen oder
Dillingen die Donau zu passieren, andererseits bei Donauwörth sich mit der Nürn
berger Heerstraße zu vereinigen. Von Augsburg ging es bis 1330 über Weilheim
nach Mittenwald, von da an aber über Oberammergau, eine Hauptstation für
Fuhrwerke.
Diese Nürnberger Linie hatte ihren nördlichsten Ausgangspunkt zu Karls
des Großen Zeit in der Nähe des entstehenden Hamburg gewonnen, nämlich
bei Bardewiek, nordöstlich von Lüneburg. Hieher war schon lange vor der deutschen
Anlage Lübecks von letzterem aus der Warenzug über Mölln herangekommen.
Dann bezeichnet Braunschweig und Goslar die wichtigsten Etappen. Doch wurde
entweder von Braunschweig aus über Halberstadt, Aschersleben, Sangerhausen der
Harz umgangen, so daß man hier bei Sachsenburg die Unstrutenge in der Richtung
auf Erfurt passierte, oder man kam von Goslar über Osterode, Duderstadt, Mühl
hausen heran. Von Erfurt führte die Straße nach Suhl und dann entweder über
Mellrichstadt nach dem Main oder über Bamberg, Forchheim nach Nürnberg;
dann entweder nach Weißenburg a. S., Donauwörth oder über Velburg, Burg
lengenfeld nach Regensburg.
Eine Hauptstraße rechts der Elbe bekam ein wichtiges südlicheres Ziel zuerst
an Leipzig, das teils von Schwerin und Magdeburg her über Dessau (oder Halle)
erstrebt wurde, teils von Stettin und Greifswald über Berlin, (Treuen-)Brietzen,
Wittenberg. Südlich spaltete sich erst bei Hos der Weg, indem man teils süd
westlich über Kreußen nach Nürnberg, teils südöstlich über Eger-Waldsassen nach
Regensburg fuhr. — Weiter sodann ward die Route Stettin—Frankfurt, Kottbus—
Bautzen wichtig. Von letzterem ging es entweder über Pirna nach dem Berggietz-