Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

1.  Die  Wirtschaftsstufen.

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brand  ersonnene  Stufenreihe  macht  den  Zustand  des  Tauschverkehrs  zum  Unterscheidungsmerkmal. ­
  Sie  nimmt  demgemäß  drei  Entwicklungsstufen  an:  Naturalwirtschaft, ­
  Geldwirtschast,  Kreditwirtschaft.
Beide  aber  setzen  voraus,  daß  es  zu  allen  Zeiten,  soweit  die  Geschichte  zurückreicht, ­
  bloß  vom  „Urzustand"  abgesehen,  eine  aus  der  Grundlage  des  Güteraustausches
ruhende  Volks  wirtschaft  gegeben  habe,  nur  daß  die  Formen  der  Produktion  und
des  Verkehrs  zu  verschiedenen  Zeiten  verschiedene  gewesen  seien.  Sie  bezweifeln  auch
gar  nicht,  daß  die  Grunderscheinungen  des  wirtschaftlichen  Lebens  zu  allen  Zeiten  im
wesentlichen  gleichartige  sind.  Es  ist  ihnen  nur  darum  zu  tun,  nachzuweisen,  daß  die
verschiedenen  wirtschaftspolitischen  Maßregeln  und  Einrichtungen  früherer  Zecken  in
der  abweichenden  Art  der  Produktion  oder  des  Verkehrs  ihre  Rechtfertigung  gefunden
hätten,  und  daß  auch  in  der  Gegenwart  verschiedene  Zustände  verschiedene  Maßregeln
erforderten.
Noch  die  neuesten  zusammenhängenden  Darstellungen  der  Volkswirtschaftsckhre,
welche  aus  dem  Kreise  der  historischen  Schule  hervorgegangen  sind,  beruhigen  sich  bei
dieser  Auffassung.  ,  ^  ...
Ein  eindringendes  Studium,  das  den  Lebensbedingungen  der  Vergangenyeu
wirklich  gerecht  wird  und  ihre  Erscheinungen  nicht  mit  dem  Maßstabe  der  Gegenwart
mißt,  muß  dagegen  zu  dem  Resultate  gelangen,  daß  die  V  o  l  k  s  w  i  r  t  s  ch  aft  d  a  s
Produkt  einer  jahrtausendelangen  historischen  Entwicklung
ist,dasnichtälteristalsdermoderne  Staat,daßvorrh  rer  Entstehung ­
  die  Menschheit  große  Zeiträume  hindurch  ohne
Tauschverkehr  oder  unter  Formen  des  Austausches  von  Produkten ­
  und  Lei  st  ungen  gewirtschaftet  hat,  die  als  volkswirtschaftliche ­
  nicht  bezeichnet  werden  können.
Wollen  wir  diese  ganze  Entwicklung  unter  einem  Gesichtspunkte  begreifen,  jo
kann  dies  nur  ein  Gesichtspunkt  fein,  der  mitten  hineinführt  in  die  wesentlichen  Erscheinungen ­
  der  Volkswirtschaft,  der  uns  aber  auch  zugleich  das  organisatorische
Moment  der  früheren  Wirtschaftsperioden  aufschließt.  Es  ist  dies  kem  anderer  als
das  Verhältnis,  in  welchem  die  Produktion  der  Güter  zur  Konsumtion  derselben  steht,
erkennbar  an  der  Länge  des  Weges,  welchen  die  Güter  vom  Produzenten  bis  zum
Konsumenten  zurücklegen.  Unter  diesem  Gesichtspunkte  gelangen  wir  dazu,  me  gesamte ­
  wirtschaftliche  Entwicklung,  wenigstens  für  die  zentral-  und  westeuropäischen
Völker,  wo  sie  sich  mit  hinreichender  Genauigkeit  historisch  verfolgen  laßt,  m  drei
Stufen  zu  teilen:  ,
1.  die  Stufe  der  geschlossenen  Hauswirtschaft  (reine  Eigenproduktion, ­
  tauschlose  Wirtschaft),  auf  welcher  die  Güter  in  derselben  Wirtschaft  verbraucht
werden,  in  der  sie  entstanden  sind;
2.  dieStufederStadtwirtschaft  (Kundenproduktion  oder  Stufe  des
direkten  Austausches),  auf  welcher  die  Güter  aus  der  produzierenden  Wirtschaft  unmittelbar ­
  in  die  konsumierende  übergehen;
3.  dieStufederVolkswirtschaft  (Warenproduktion,  Stufe  des  Güterumlaufs), ­
  auf  welcher  die  Güter  in  der  Regel  eine  Reihe  von  Wirtschaften  passieren
müssen,  ehe  sie  zum  Verbrauch  gelangen.  ^  .  ...
Allerdings  bezeichnen  Hauswirtschaft  —  Stadtwirtschaft  —  Volkswirtschaft
nicht  einen  Stufengang,  dessen  Glieder  einander  völlig  ausschließen.  Es  hat  immer
e  i  n  e  Art  des  Wirtfchaftens  v  o  r  g  e  h  e  r  r  f  ch  t;  sie  war  in  den  Augen  der  Zeckgenossen
  das  Normale.  Auch  in  die  Gegenwart  ragen  noch  manche  Elemente  der  Stadtwirtschaft ­
  und  selbst  der  geschlossenen  Hauswirtschaft  herein.  Noch  heute  tritt  em
sehr  beträchtlicher  Teil  der  nationalen  Güterproduktion  nicht  in  die  volkswirtschaftliche
Zirkulation  ein,  sondern  wird  in  denjenigen  Sonderwirtschaften  verbraucht,  welche
            
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