Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

46

Zweiter  Teil.  Handel.  I.  Die  Volkswirtschaft.

Handen  sei.  Schon  dem  Nationalökonomen  wird  es  sauer,  obgleich  er  doch  nur  mit
materieller  Arbeit  zu  schaffen  hat,  deren  Früchte  sich  zählen  und  wägen  lassen.
Denn  weder,  indem  er  die  Zahl  der  Arbeiter  der  einzelnen  Berufskreise  nebeneinander ­
  stellt,  noch  indem  er  den  Beitrag  dieser  Kreise  zu  dem  Volkseinkommen  gegeneinander ­
  abwägt,  erhält  er  ein  vollkommen  reines  und  gerechtes  Ergebnis.  Auch
in  der  materiellen  Arbeit  steckt  nämlich  ein  gutes  Bruchteil  geistiger  Kultur,  welches
schwer  in  die  Wagschale  der  einzelnen  Arbeitsgruppen  fällt,  entscheidend  für  die
wirtschaftliche  Macht  dieser  Gruppen,  und  nicht  in  Prozenten  oder  Dezimalbrüchen
sich  ausdrücken  läßt.  Der  soziale  Volksforscher  vollends  bewegt  sich  im  Gebiete
geistiger  Statistik,  die  kein  Hexenmeister  in  Ziffern  bannen  kann,  er  hat  nicht  nur
die  materielle,  sondern  auch  die  Geistesarbeit  auf  ihr  Gleichgewicht  zu  prüfen  und
soll  dabei  entscheiden  über  eine  Blüte  geistiger  Gesittung,  die  sich  nur  in  Tatsachen
schildern,  nicht  aber  kraft  der  vier  Spezies  beweisen  läßt.  Dennoch  sollen  beide  nicht
ermüden  in  ihrer  schweren  Aufgabe,  begeistert  durch  den  Gedanken,  daß  es  gilt,
in  der  Lehre  vom  Gleichgewicht  der  Arbeit  nicht  bloß  die  Gesetze  der  Wirtschaft
und  des  Völkerlebens  zu  erkennen,  sondern  auch  dem  Volke  die  Moral  der  Arbeit
im  großen  Stile  zu  predigen  und  als  Sittenlehrer  der  Nationen  zugleich,  nach  dem
Bilde  Platos,  die  rechte  Sitte  der  harmonischen  Arbeit  wachzurufen  in  jedem  einzelnen.

4.  Arbeit  und  Rhythmus.
Von  Karl  Bücher.

Bücher,  Arbeitsvereinigung  und  Arbeitsgemeinschaft.  In:  Die  Entstehung  der
Volkswirtschaft.  Vorträge  und  Versuche.  8.  Ausl.  Tübingen,  H.  Laupp,  1911.  S.  261,
S.  272,  S.  277—278  und  S.  282—286.
Arbeitsoereinigung  ist  die  Vereinigung  verschiedenartiger  Arbeiten  in  einer
Hand,  Arbeitsgemeinschaft  die  gleichzeitige  Verwendung  mehrerer  Arbeiter  zur  Bewältigung ­
  einer  Arbeitsaufgabe.
Das  Prinzip  der  Arbeitsvereinigung  ist  bei  allem  Reichtum  ihrer  Erscheinungsformen
ein  ziemlich  einfaches:  überschüssige  Kraft  soll  nutzbringend  verwendet  werden.  Das  Prinzip
der  Arbeitsgemeinschaft  läßt  sich  nicht  auf  eine  so  glatte  Formel  bringen.  Im  allgemeinen
handelt  es  sich  ja  darum,  die  unzulängliche  Einzelkraft  so  weit  zu  ergänzen,  daß  die  vorliegende ­
  Arbeitsaufgabe  bewältigt  werden  kann.  Aber  die  Unzulänglichkeit  der  Kraft  des
einzelnen  Arbeiters  kann  wieder  verschiedene  Ursachen  haben.  Sie  kann  begründet  sein  in
einer  bestimmten  geistigen  Veranlagung  des  Arbeiters,  die  ihn  hindert,  allein  anhaltend  tätig
zu  fein;  sie  kann  auf  ungenügender  Körperkraft  beruhen,  und  sie  kann  endlich  in  technischen
Umständen  liegen,  die  bewirken,  daß  eine  Arbeit  nicht  ohne  eine  andere,  von  ihr  verschiedene
geleistet  werden  kann.  Je  nachdem  einer  von  diesen  drei  Fällen  stattfindet,  ergeben  sich  drei
verschiedene  Arten  der  Arbeitsgemeinschaft.  Die  erste  können  wir  Gesellschaftsarbeit
oder  gesellige  Arbeit  nennen,  die  zweite  Arbeitshäufung  und  die  dritte  Arbeitsverbindung ­
  .  .  .  .
Unter  Arbeitshäufung  verstehen  wir  die  Aufbietung  mehrerer  gleichartiger ­
  Arbeitskräfte  zur  Bewältigung  einer  einheitlichen  Arbeitsaufgabe,  z.  B.  zum
Aufladen  einer  schweren  Last,  zum  Schieben  eines  Balkens,  zum  Mähen  einer  Wiese,
zum  Treiben  bei  der  Jagd.  Die  zu  leistende  Arbeit  braucht  an  sich  nicht  für  die
Kraft  eines  einzigen  zu  schwer  zu  fein;  es  genügt  schon,  daß  sie  von  ihm  nicht  in
gehöriger  Zeit  vollendet  werden  kann,  um  die  Verwendung  einer  Mehrzahl  von
Arbeitern  vorteilhaft  zu  machen.  Dies  fällt  besonders  bei  solchen  Tätigkeiten  ins
Gewicht,  welche  an  bestimmte  Jahreszeiten  gebunden  oder  von  der  Witterung  ab-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.