Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

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Die  gegenwärtige  Lage  der  liberalen  Schule

Die  Intelligenteren  unter  den  Jägerhorden  sahen  bald  ein,
daß  sie,  anstatt  die  Besiegten  zu  töten  und  zu  verzehren,  mehr
Vorteil  hätten,  dieselben  zu  unterwerfen  und  für  sich  arbeiten
zu  lassen.  An  Stelle  vorübergehender  Einfälle  trat  so  die  permanente ­
  Okkupation  der  kultivierten  Territorien  und  die  Sklaverei
ihrer  Bevölkerung.  Die  Sklaverei  sicherte  die  Zukunft  der
Kultur  i).
Der  Mensch  war  des  Menschen  Wild  gewesen  bis  die  Entdeckung ­
  und  Inanbaunahme  der  Nährpflanzen  sowie  andere
Fortschritte,  welche  die  Produktivität  der  menschlichen  Arbeit
vermehrten,  die  geregelte  Ausbeutung  der  betriebsamen  Völkerschaften ­
  einträglicher  gestaltet  hatten  als  Raub  und  Menschenfresserei. ­
  Das  war  der  Anfang  eines  neuen  Zeitalters,  in  dem
die  Kultur,  vor  Zerstörung  gesichert,  sich  entwickeln  und  schließlich ­
  das  Übergewicht  über  die  Barbarenwelt  erlangen  konnte.
Alle  auf  dem  Wege  zur  Kultur  befindlichen  Staaten 2 )  erscheinen ­
  damals,  wenn  auch  unter  verschiedenen  Formen,  so
doch  ähnlich  organisiert;  ein  herrschendes  Volk  besitzt  ein
Territorium  mit  einer  Bevölkerung,  welche  produktiv  tätig  ist,
und  beutet  diese  Domäne  aus,  entweder  im  Gesamteigentum,
oder  häufiger  in  Parzellen,  welche  den  einzelnen  Volksgliedern
individuell  zugeteilt  sind.  Wie  der  primitive  Stamm,  konstituiert
und  organisiert  die  herrschende  Klasse  eines  Staates  sich  unter
dem  Einfluß  der  Gesetze  der  Konkurrenz  und  der  Kraftersparnis.
Ihrerseits  ist  diese  Klasse  der  Konkurrenz  kriegerischer  Raubstämme
  wie  solcher,  welche  selbst,  wie  sie,  Staaten  besitzen,
ausbeuten  und  zu  vergrößern  trachten,  ausgesetzt.  Unter  dem
Druck  dieser  doppelten  Konkurrenz  ist  sie  bestrebt  :
1.  ihre  Militärmacht  aufs  höchste  zu  entwickeln;
2.  diejenige  Regierungsorganisation  zu  schaffen,  welche  die
Eintracht  ihrer  Glieder  und  deren  Zusammenwirken  zu  gemeinnützigen ­
  Unternehmungen  am  besten  sichert;
3.  das  System  der  Beherrschung  und  Ausbeutung  der  unterjochten ­
  Bevölkerung  so  zu  verbessern,  daß  diese  die  größtmöglichen ­
  Hilfsquellen  abwirft.
Im  Verlaufe  der  geschichtlichen  Entwicklung  lehren  Be-*)

  G.  de  Molinari,  loc.  eit.  p.  10  ff.
3)  ibid.  p.  12  ff.
            
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