Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

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Die  gegenwärtige  Lage  der  liberalen  Schule

Fernand  Faure,  Professor  der  Statistik  an  der  juristischen
Fakultät  in  Paris  und  Direktor  der  Revue  'politique  et  parlamentaire
 i  rechnet  sich  zur  liberalen  Schule,  allerdings  mit  der  Beschränkung, ­
  daß  kein  Volkswirt  in  Frankreich,  mit  Ausnahme
der  reaktionären  Katholiken  und  der  Kollektivsten,  sich  vollständig ­
  mit  einer  bestimmten  Schulmeinung  identifiziere.  Der
Lehrstuhl,  den  Fernand  Faure  inné  hat,  ist  der  einzige  für
Statistik  in  Frankreich.  Da  das  Fach  nicht  obligatorischer
Prüfungsgegenstand  ist,  wird  es  von  der  Studentenwelt  in  etwas
vernachlässigt.  Mehr  noch  aber  glaubt  Professor  Faure  sich
darüber  beklagen  zu  sollen,  daß  seine  juristischen  und  nationalökonomischen ­
  Kollegen  im  allgemeinen  in  ihren  Vorlesungen
und  Schriften  die  Statistik  nur  zur  Illustrierung  ihrer  vorgefaßten
Theorien  heranzuziehen  pflegten;  keiner  aber  lasse  es  sich  einfallen, ­
  aus  den  Ergebnissen  der  statistischen  Forschung  heraus
eine  wissenschaftliche  Theorie  des  Wirtschaftslebens  zu  gewinnen ­
 1 ).  Seine  grundlegenden  Anschauungen  hat  Fernand
Faure  wohl  am  besten  in  dem  Artikel  Science  et  Art  des  Nouveau ­
  dictionnaire  d’Economie  politique  zusammengefaßt  (Bd.  Il,
p.  796  ff.).  Anlehnend  an  Montesquieu  definiert  er  die
('Wirtschafts)wissenscJiaft  als  „das  Studium  der  (wirtschaftlichen)
Erscheinungen  zu  dem  Zwecke,  die  konstanten  und  notwendigen
Beziehungen  derselben  zu  erforschen“.  Von  der  Wirtschaftswissenschaft ­
  unterscheidet  er  die  (wirtschaftliche)  Kunstlehre  als
„das  Studium  der  Erscheinungen  zu  dem  Zwecke,  die  Kombinationen ­
  zu  entdecken,  mit  deren  Hilfe  man  dieses  oder  jenes
beabsichtigte  Resultat  erreichen  kann“.  Faure  macht  sich
selbst  folgenden  Einwand  :  „Die  Wissenschaft  ist  nicht  denkbar,
wenn  die  Tatsachen  nicht  einem  universellen  Determinismus
unterliegen,  wenn  sie  nicht  gemäß  einer  konstanten  Naturordnung ­
  miteinander  verknüpft  sind.  Die  Kunstlehre  hat  nun
die  Tendenz,  die  Tatsachen  zum  Nutzen  und  nach  den  Konvenienzen
  der  Menschen  zu  modifizieren.  Wenn  die  von  der
Kunstlehre  vorgeschlagenen  Modifikationen  nicht  illusorisch

J )  F.  Faure  hat  mehrere  Artikel  des  Nouveau  dictionnaire  d’Ec.  pol.
verfaßt;  er  hat  ein  kleines  Lehrbuch  der  Statistik  (Eléments  de  Statistique,  Paris,
1906,  vergriffen)  veröffentlicht  und  arbeitet  zur  Zeit  an  einer  Histoire  des  Théories
sur  la  Statistique  aux  17 me  et  18°°«  siècles.
            
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