Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

Die  katholischen  und  verwandten  Richtungen

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Organisation  der  Gesellschaft  beziehen,  eine  weitere  Gliederung.
Natürlich  gibt  es  auch  vermittelnde  Stellungnahmen.
Die  interventionistische  Gruppe  macht  zurzeit  einen  Konzentrationsprozeß ­
  durch.  Immerhin  ist  innerhalb  derselben  noch
ein  feudaler  rechter  Flügel,  eine  demokratisch  orientierte  Linke
und  ein  täglich  erstarkendes  Zentrum  zu  unterscheiden.  Man
hat  die  von  dieser  Gruppe  vertretenen  Anschauungen  häufig
als  christlichen  Sozialismus  bezeichnet.  Seitdem  aber  Leo  XIII.
diese  Bezeichnung  verwarf,  nennen  sich  die  hierher  gehörigen
Katholiken  vorzugsweise  Catholiques  Sociaux,  eine  Bezeichnung,
die  wahrscheinlich  von  dem  Genter  Universitätsprofessor  und
Agrarsozialisten  Huet  stammt.  Auf  dem  linken  Flügel  gibt  es
allerdings  noch  einige  sog.  christliche  Demokraten  (Abbé  Naudet,
Abbe  Six  usw.),  welche  trotz  der  ablehnenden  Stellungnahme
Leo  XIII.  an  der  Etikette  „christlicher  Sozialismus“  zur  Bezeichnung ­
  ihrer  Anschauungen  festhalten.
Der  feudale  Flügel  und  die  Linke  des  Sozialkatholizismus
verwerfen  grundsätzlich  die  bestehende  liberale  und  individualistische ­
  Wirtschafts-  und  Gesellschaftsordnung.  Beide  setzen
dem  heute  geltenden  „quiritischen“  Privateigentum  eine  Eigentumslehre ­
  entgegen,  welche  in  dem  Begriff  der  sozialen  Funktion
gipfelt.  Mit  anderen  Worten  :  das  Eigentumsrecht  ist  nicht  ein
Recht  vollkommener  Herrschaft  über  eine  Sache,  ein  jus  utendi
et  abutendi,  sondern  nur  das  Recht,  eine  Sache  zu  verwalten,
das  bestimmte  Einschränkungen  und  Pflichten  der  Allgemeinheit ­
  gegenüber  in  sich  begreift.  Der  rechte,  feudale  Flügel
(Marquis  de  la  Tour  du  Pin,  Comte  de  Mun  usw.)  verdankt ­
  diese  grundlegende  Auffassung  des  Eigentumsrechtes
Familientraditionen,  die  sich  aus  dem  Mittelalter  lebendig  erhalten
haben.  Sein  Ideal  ist  die  feudale  und  korporative  Gesellschaftsund ­
  Wirtschaftsordnung  des  XII.  und  XIII.  Jahrhunderts.  Die
Anschauungen  der  demokratischen  Linken,  soweit  sie  nicht  der
Schule  de  Muns  entlehnt  sind,  gehen  im  wesentlichen  zurück  auf
die  utopischen  Sozialisten  Bûchez  und  Ott.  Ideal  der  Linken  ist
eine  sozialistische  Zukunftsgesellschaft  im  Sinne  Bûchez’  und
Otts.  Wir  werden  sehen,  daß  diese  beiden  Ideale,  soweit  sie
sich  auf  wirtschaftliche  Dinge  beziehen,  gar  nicht  so  sehr  verschieden ­
  voneinander  sind.
Die  nichtinterventionistische  Gruppe  umfaßt  zunächst  die
            
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