Full text: Die Nationalökonomie in Frankreich

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Die Gründer der heutigen Schulen 
ad 2. Dem antiken und dem modernen liberalen Staat 
stellt de la Tour du Pin den christlichen Staat des hohen 
Mittelalters entgegen. „Die christliche civitas beruht auf dem 
Gefühle der Gemeinschaft und der Tatsache der Assoziation; 
sie nimmt bald feudale, bald kommunale, bald korporative 
Formen an, meist alle drei nebeneinander; sie ist immer von 
dem Gefühle der Solidarität aller ihrer Teile beseelt Sie 
lebt durch einen Austausch von Dienstleistungen, welcher der 
Zweck aller Arbeit und die Bedingung aller Privilegien ist. 
Recht und Pflicht sind darin untrennbar, wie Ursache und 
Wirkung; jede Grundabgabe entspricht einer Last. Die Kirche, 
eine religiöse Gesellschaft, ist darin wie die Seele der bürger 
lichen Gesellschaft. Deren Lehre und Gottesdienst beherrschen 
alle Akte des gesellschaftlichen Lebens ; ein einheitlicher Geist 
beseelt so die Masse der Menschen und die Gesamtheit der 
zivilisierten Völker“ *). Die Organisation des christlichen Staates 
baut sich auf der des Wirtschaftslebens auf; darum zunächst 
von diesem. 
ad 3. Das Gesetz der Arbeit ist die Grundlage der ganzen 
Sozialökonomik, weil es das Grundgesetz des menschlichen 
Lebens ist. „Die Arbeit hat nicht die Produktion der Güter 
zum Zweck (wie die liberale Schule lehrt), sondern den Menschen 
ihren Lebensunterhalt zu verschaffen. Die Grundbedingung 
einer guten Wirtschaftsordnung ist, daß sie zunächst dem Ar 
beiter, dann dem ganzen Volke die zum Leben nützlichen Güter 
in genügender Menge verschaffe“ 2 ). Das standesgemäße Aus 
kommen ist das Kriterium einer christlichen Lösung des Ver 
teilungsproblems. Die Früchte einer jeden Unternehmung sind 
unter den Arbeitgeber und die Arbeiter nach Maßgabe dieses 
Kriteriums zu verteilen. Die Erfordernisse eines standesgemäßen 
zipien vorgehen, während unsere Freunde (der Réforme Sociale) induktiv aus 
den beobachteten Tatsachen aufbauen, folgt keineswegs, daß die Differenz der 
Methoden ein Auseinandergehen der Resultate mit sich bringen müsse. Sicher 
ist, daß die induktive Methode nicht alle unsere Prinzipien zu erweisen vermag, 
aber sie widerlegt keins .... Wenn wir verschiedene Wege gehen, halten wir 
dieselben doch für wesentlich konvergierend.“ de la Tour du Pin in der Asso 
ciation Catholique, Jahrgang 1882, Bd. II, p. 255. 
*) de la Tour du Pin loc. cit. p. 206—207. 
2 ) ibid. p. 209.
	        
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