Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

Geschichtlicher  Überblick

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dung  der  natürlichen  Ordnung  der  menschlichen  Gesellschaften
im  „Esprit  des  Lois“  gegeben  hat.
Die  Physiokraten  bilden  im  Gegensatz  zu  den  Merkantilisten ­
  eine  geschlossene  Gruppe,  welche  sich  um  Quesnay  scharte.
Es  hat  hervorragende  Geister  unter  ihnen  gegeben,  wie  Quesnay, ­
  der  ältere  Mirabeau,  Gournod,  Bandeau,  Le  Trosne,  Mercier
de  la  Rivière,  Dupont  de  Nemours,  Turgot.  Die  strenge  Abgeschlossenheit, ­
  die  Exklusivität  einer  ausschließlich  ihren  Anschauungen ­
  dienenden  Zeitschrift,  die  Gepflogenheit  gegenseitiger
Beräucherung  haben  sie  auf  ihre  Nachfolger  des  XIX.  und  XX.
Jahrhunderts  vererbt.
Die  physiokratische  Lehre  ist  rationalistisch  in  ihrem
methodischen  Aufbau  und  optimistisch  in  ihrer  Grundstimmung.
Beides  ^verdankt  sie  der  griechischen  Stoa  und  der  Philosophie
Descartes’  und  Malebranches.
Insbesondere  die  physiokratische  Methodik  ist  nichts
anderes  als  die  der  stoischen  Philosophie.  Aus  der  Wahrnehmung ­
  wird  die  Vorstellung,  aus  einer  Vielheit  von  gleichartigen ­
  Vorstellungen  entstehen  die  Begriffe;  diese  bedingen
Urteil  und  Schlußfolgerung.  Durch  Schlußfolgerungen  schreiten
wir  von  einer  Wahrheit  zur  andern  fort  und  sind  dadurch  in
den  Stand  gesetzt,  die  Gründe  der  Erscheinungen  zu  erforschen.
So  entsteht  die  Wissenschaft.  Das  ist  die  Lehre  Zenos.  Ähnlich ­
  argumentiert  Descartes,  genau  so  verfahren  die  Physiokraten. ­
  Freilich  steht  an  der  Basis  dieser  Argumentation  das
„nihil  in  intellectu  quod  non  prius  fuerit  in  sensu“  des  Aristoteles, ­
  oder  das  „cogito  ergo  sum“  Descartes’.  Aber  wie  bald
hat  der  Rationalismus  die  empirische  Grundlage  verlassen  und
bewegt  sich  nur  mehr  in  den  hehren,  der  Berührung  mit  der
Wirklichkeit  entrückten  Räumen  des  deduktiven  Denkens!  Ziel
der  wissenschaftlichen  Forschung  ist  den  Stoikern  wie  Descartes ­
  die  absolute  Wahrheit;  beide  haben  gemeinsam  die
felsenfeste  Überzeugung,  diese  Wahrheit  in  ihren  Lehren  gefunden ­
  zu  haben.  Genau  so  bei  den  Physiokraten.  Historische
Perspektive,  Verständnis  für  die  Relativität  der  gesellschaftlichen
Erscheinungen  gehen  ihnen  vollständig  ab.  Die  absolute  Wahrheit ­
  hat  nach  den  Stoikern  ein  untrügliches  Kriterium:  die
Katalepsis.  Sie  besteht  darin,  daß  eine  Vorstellung  mit  solcher
Klarheit,  Stärke  und  Überzeugungskraft  in  der  Seele  auftritt,
            
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