Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

Geschichtlicher  Überblick

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schaft  (feststehende  Beziehungen  des  gleichzeitigen  Vorhandenseins ­
  und  der  Aufeinanderfolge)  identisch.  Er  besagt  die  fest
normierten  Bahnen,  in  denen  sich  die  auf  die  Glückseligkeit
des  Menschengeschlechtes  hinzielende  Leitung  des  Weltgetriebes
durch  die  göttliche  Vorsehung  bewegt.  Die  spezifisch  wirtschaftlichen ­
  Naturgesetze  lassen  sich  auf  ein  einziges,  psychologisch  in
der  Natur  des  Menschen  begründetes  Gesetz  zurückführen  :  das
wirtschaftliche  Handeln  des  Menschen  wird  von  dem  Streben
geleitet,  mit  den  geringsten  Mitteln  den  größten  Erfolg  zu  erzielen. ­
  Dieses  Prinzip  faßten  die  Physiokraten  mechanischnaturwissenschaftlich ­
  auf.  Das  Bild  von  der  natürlichen  Ordnung ­
  der  Volkswirtschaft,  welches  sie  aus  demselben  deduzieren,
stempelt  das  Wirtschaftsleben  zu  einem  mechanisch-maschinellen
Getriebe.  Zunächst  wird  die  Fiktion  des  „homo  oeconomicus“
geschaffen,  d.  h.  des  „von  allen  Besonderheiten  des  Berufes,  der
Klasse,  der  Nationalität  und  der  Kulturstufe  freien“,  abstrakten
Wirtschaftsmenschen.  Alsdann  werden  alle  wirtschaftlichen  Subjekte ­
  gleich  gesetzt  und  aus  dem  ökonomischen  Prinzip  Sätze
abgeleitet  wie:  der  aufgeklärte  Eigennutz  des  Individuums  ist
für  dieses  der  natürliche  und  hinlängliche  Wegweiser  im  gegenseitigen ­
  Verkehr;  der  Einzelne  vermag  seine  Interessen  am
besten  zu  schützen  und  zu  wahren  ;  die  individuellen  Interessen
sind  harmonisch  und  solidarisch,  ihre  Summe  identifiziert  sich
mit  dem  Gesamtinteresse  eines  Volkes;  die  Interessen  der  Individuen, ­
  der  sozialen  Klassen,  der  Berufe,  der  Völker  sind  harmonisch ­
  und  solidarisch 1 ).
x )  Man  darf  nicht  vergessen,  dass  diese  Ideen,  bevor  sie  sich  zum
Lehrgebäude  entwickelten,  mit  großer  Entschiedenheit  und  Klarheit  vereinzelt
vorgetragen  worden  waren,  so  besonders  von  W.  Petty,  Vanian,  Boisguìllebert.
Für  die  Vorgeschichte  der  Naturlehre  der  Volkswirtschaft  ist  besonders  interessant ­
  die  Entwicklung  der  Idee  von  der  Harmonie  der  Interessen.  Dieselbe
ging  in  drei  Phasen  vor  sich:  in  der  ersten  stellt  Hobbes  den  Satz  auf,  das  persönliche ­
  Interesse  sei  die  Triebfeder  der  Tätigkeit  des  Menschen  überhaupt.  Die
persönlichen  Interessen  der  in  der  Gesellschaft  vereinten  Individuen  sind  aber
divergierend,  bis  die  Furcht  eines  Tages  die  Gründung  einer  despotischen  Staatsgewalt ­
  ermöglicht,  welche  die  antisozialen  Triebe  paralysiert.
Die  zweite  Phase  wird  durch  die  Schule  des  „moral  sense“  (Cumberland,
Shaftesbury,  Hutcheson  usw.)  vertreten.  Sie  lehrt  die  Harmonie  der  idiopathischen ­
  und  sympathischen  Neigungen  und  damit  diejenige  der  persönlichen
Interessen  der  Individuen.  Diese  Harmonie  ist  aber  eine  vermöge  der  gesellschaftlichen ­
  Triebe  der  Menschen  bewußte  und  gewollte.
            
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