Full text: Die Nationalökonomie in Frankreich

Die Schule von Angers 
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außerhalb der Fabrik ausüben sollen. Den Pflichten der Arbeit 
geber stehen nicht Rechte der Arbeiter gegenüber. Die Vor 
teile, welche die herrschenden Klassen den arbeitenden zuwen 
den, sind freiwillige, nicht pflichtgemäße Wohltaten. Sie sind 
Werke der Nächstenliebe, nicht Pflichten der Gerechtigkeit. Zur 
Wiederherstellung des sozialen Friedens sind geeignet: freie, 
christliche (gemischte) Berufsorganisationen, Bau von Arbeiter - 
Wohnungen durch die Arbeitgeber und durch Genossenschaften 
der Arbeiter, Schaffung von Einrichtungen zur Förderung des 
Sparsinns, Bekämpfung des Alkoholismus, Hausarbeit der Frau, 
allenfalls auch Schutz der Frauen- und Kinderarbeit und Be 
schränkung der Arbeitszeit für Frauen und Kinder 1 ). 
Die Schule von Angers verfügt über eine Propaganda 
organisation : VAssociation des Patrons du Nord. Es ist dies ein 
Arbeitgeberbund, welcher sich die Verwirklichung der sozial 
politischen Anschauungen der Schule von Angers zum Ziele 
setzt. Er veröffentlicht eine Zeitschrift Conférences d'Etudes 
sociales de Notre-Dame du Haut-Mont. Das Programm der Orga 
nisation kommt in folgenden Worten zum Ausdruck: „Keine 
rein theoretischen Auseinandersetzungen mehr; Verbleiben auf 
dem Terrain praktischer Anwendungen unter der weisen Leitung 
der Kirche und ihrer Vertreter; Förderung aller bereits ins 
Leben gerufenen sittlichen Reformen und sozialen Einrichtungen 
durch Privatinitiative 2 ). Selbstverständlich steht die Asso 
ciation des Patrons du Nord allen Arbeiterorganisationen 
feindlich gegenüber. 
Die Zeitschrift Revue catholique des Institutions et du Droit 
und damit der theoretische Brennpunkt der Schule von Angers 
wird heute nur mehr mit Mühe von Joseph Rambaud und 
seinen Kollegen von der freien juristischen Fakultät in Lyon 
b Bericht über den Kongreß von Angers in: Revue cath. des Instit. et 
du Droit, 1890, Bd. II, p. 461 ff. Vgl. Ch. Antoine loc. eit. p. 261—262. 
2 ) Revue cath. des Instit et du Droit, 1891, Bd. I, p. 434; vgl. Ch. An 
toine, Cours d’Economie sociale, 3. Ausi., Paris, 1905, p. 263. Der sozialpoliti 
schen Gesetzgebung gegenüber erklärte der Kongreß „des Oeuvres sociales du 
Nord" 1893: „Wir stehen auf dem Boden der gegenwärtigen Praxis (patri 
archalische Wohlfahrtspolitik) und vertagen den Wunsch nach sozialpolitischen 
Gesetzen auf bessere Zeiten.“ Conférences d’Etudes sociales de Notre-Dame du 
Haut-Mont, 1893, p. 115. Vgl. Ch. Antoine loc. cit. p. 264.
	        
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