Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

Die  christlichen  Sozialisten

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im  Konkordate  von  1801  eine  Kirchenordnung  in  Frankreich
geschaffen,  die  den  niedern  Klerus  rechtlos  der  Willkür  der
Bischöfe  preisgab.  Der  Staatsstreich  Napoleons  III.  vom  2.  Dezember ­
  1851  zerstörte  brutal  die  freiheitlichen  Hoffnungen,
welche  die  Februarrevolution  und  die  zweite  Republik  in
ihm  geweckt  hatten.  Und  nun  kommt  der  unfehlbare  Papst
und  appelliert  an  die  intimsten,  durch  Generationen  verhaltenen
Herzenswünsche  dieses  Klerus  !  Das  ewige  Zurückhalten  und
Niederdrücken  aller  Energien  und  Kräfte  desselben  durch  die
konkordatären  Bischöfe  ward  durch  den  päptlichen  Aufruf,  mit
Einsetzen  aller  Kräfte  an  dem  Ausbau  der  politischen  Demokratie
und  an  der  sozialen  Neugestaltung  der  durch  die  kapitalistische
Wirtschaftsordnung  geschaffenen  Verhältnisse  tätig  mitzuwirken,
durchbrochen.  Der  sozialkatholischen  Schule  erwuchs  mit  einem
Schlage  aus  den  Reihen  des  niederen  Klerus  und  aus  dessen  unmittelbarem ­
  Laienmilieu  ein  gewaltiger  Zuwachs.  Dieser  brachte
ihr  aber  auch  einen  Sauerteig  demokratischer  Gesinnung,  der
bald  mit  dem  überkommenen  feudalen  Elemente  in  Kampf  geraten ­
  mußte.
Einer  der  ersten  Gedanken,  welche  mit  dem  jungen  Klerus
in  die  sozialkatholische  Schule  einzogen,  war,  auf  die  nationalen,
demokratischen  Traditionen  zurückzugreifen.  Die  feudalen  Herren
taten  zunächst  willig  mit  und  gemeinsam  suchte  man  den  hochbetagten ­
  Achtundvierziger  Auguste  Ott  in  seiner  einsamen  Zurückgezogenheit ­
  auf,  um  von  ihm  eine  Neuauflage  seines  vor  vierzig
Jahren  erschienenen  Handbuches  der  Nationalökonomie  zu  erbitten.
Ott  willfahrte  diesem  Wunsche.  Die  wenig  veränderte  1892
veröffentlichte  zweite  Auflage  seines  Werkes  blieb  durch  einige
Jahre  das  offizielle  Handbuch  der  sozialkatholischen  Schule.
Durch  dasselbe  drangen  in  diese  die  oben  besprochenen  sozialistischen ­
  Anschauungen  Bûchez’  ein.  In  den  Reformforderungen
decken  sich  diese  allerdings  so  ziemlich  mit  den  Postulaten
der  christlichen  Gesellschaftsordnung,  welche  de  la  Tour  du  Pin,
de  Mun  usw.  ausgearbeitet  hatten.  Aber  die  Begründung  ist  eine
wesentlich  verschiedene.  Und  das  war  es,  worauf  es  den  neugewonnenen ­
  Elementen  vor  allem  ankam  :  eine  wissenschaftliche
Theorie  der  politischen  und  sozialen  Demokratie  zu  gewinnen.
Die  heutigen  Führer  der  sozialkatholischen  Schule:  Henri
Lorin,  Savatier  usw.,  insbesondere  aber  die  Linke:  Abbé  Daudet 7
            
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