326 Die katholischen und verwandten Schulen in der Gegenwart
ebenso getroffen gewesen wie der linke der katholischen Sozialisten.
Das war aber keineswegs der Fall. Das soziale und
wirtschaftliche Programm des rechten Flügels war vorsichtig
und zurückhaltend geblieben; die Frage der politischen Organisation,
bezüglich welcher die Feudalen allerdings einen intransigenten
Standpunkt vertraten, war durch Leos Xin. Enzyklika
„Graves de communi“ außer Gefechtslinie gestellt. Der linke
Flügel dagegen, der sich die radikalere Programmsassung Bûchez'
zu eigen gemacht, hatte für diese nicht das Gros der sozialkatholischen
Schule hinter sich. Deswegen traf das päpstliche
Motu proprio ausschließlich die exponierte Position der katholischen
Sozialisten und bedrohte sowohl die Integrität ihrer
Doktrin als ihre Existenz als Sondergruppe.
Dann kam im August 1907 die Enzyklika gegen die
Modernisten, welche alsbald eine Verurteilung der Justice
sociale des Abbé Naudet nicht wegen ihres katholischen
Sozialismus, sondern wegen exegetischer Seitensprünge zur Folge
hatte. Die Schädigung, welche dem Blatte durch diese Verurteilung
widerfuhr, übertrug sich naturgemäß auf die ganze von
ihm vertretene Richtung. Die Einheitsbewegung in der sozialkatholischen
Schule, welche unter dem Drucke Roms fortschritt,
entzog den links stehenden Führern einen zunehmenden Teil
ihrer Gefolgschaft, und ihre Isolierung wurde immer deutlicher.
Die christlich-demokratischen Periodika in der Provinz verschwanden,
die Quinzaine stellte ihr Erscheinen ein, die
Justice sociale dürfte im Augenblick, wo wir diese Zeilen
schreiben, dasselbe getan haben, die Démocratie chrétienne
fristet nur mehr ein kümmerliches Dasein. Allerdings bestehen
noch mehrere der unter christlich-demokratischer Flagge segelnden,
von Leon Harmel zuerst im Val-des-Bois und in der Gegend
von Reims ins Leben gerufenen Cercles chrétiens d'Etudes sociales.
Diese haben sich von dort aus zunächst nach Osten und
Norden, dann auch vereinzelt über das übrige Frankreich verbreitet.
Es sind Arbeitergruppen, welche unter Mithilfe, wenn
auch nicht unter der förmlichen Leitung von Arbeitgebern, Geistlichen
usw., gemeinsame volkswirtschaftliche Belehrung durch
Lektüre, Vorträge, Diskussionen usw. suchen. Es ist mit Sicherheit
anzunehmen, daß diese Arbeitergruppen in naher Zukunft
sich in irgend einer Form der von Rom und vom sozialkatho-