Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

Das  sozialkatholisclie  Zentrum

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Die  wichtigste  Einrichtung,  über  welche  die  sozialkatholische
Schule  verfügt,  ist  —  von  unserem  Gesichtspunkte  aus  —  die
schon  früher  erwähnte  Union  d'Etudes  des  Catholiques  sociaux.  In
diesem  Ausschuß  verkörpern  sich  die  Tendenzen  zur  Vermittlung ­
  zwischen  der  bestehenden  individualistischen  Gesellschaftsordnung ­
  und  der  christlichen  korporativ-feudalen  des  hohen
Mittelalters,  in  deren  Richtung  die  Entwicklung  der  sozialkatholischen
  Doktrin  seit  zwanzig  Jahren  liegt.  Unter  dem
Einfluß  von  A.  de  Muti,  Abbé  Lemire,  Henri  Lorin,  Savatier,  Zamanski
  u.  a.  lenkt  die  Union  d’Etudes  die  Aufmerksamkeit
der  sozialkatholischen  Kreise  von  den  prinzipiellen  Fragen,  ob
individualistische  oder  korporative,  ob  hierarchische  oder  demokratisch ­
  gleichheitliche  Wirtschafts-  und  Gesellschaftsordnung
ab  und  auf  unmittelbare  praktische  Reformfragen  hin.  Es
leuchtet  ein,  daß  diese  Taktik  die  Vereinheitlichung  der  sozialkatholischen ­
  Bewegung  zu  fördern  geeignet  ist.  Zur  Lösung
der  heiklen  Frage,  ob  mittelalterliche  Zwangskorporationen  oder
freie  Berufsgenossenschaften,  hat  die  Union  d’Etudes  die
elegante  Kompromißformel  :  „freie  Gruppierungen  in  den  gesetzlich ­
  organisierten  Gewerben“  vorgeschlagen 1 ).  Im  übrigen  hat
der  Ausschuß  Programmsätze  formuliert 2 ),  Gesetzesvorlagen  ausgearbeitet ­
  und  debattiert 3 )  und  wissenschaftliche  Arbeiten  seiner
Mitglieder  und  Mitarbeiter  veranlaßt 4 ),  alles  Dinge,  welche
Wahlsysteme  wurde  viel  Zeit  und  Raum  gewidmet.  Die  Herren  Duthoit  und
Fleurquin  geben  übrigens  eine  Vierteljahrschrift  Le  Proportionnalité  heraus,
welche  der  Propaganda  für  den  Proporz  dient.  Im  übrigen  ist  Professor  Duthoit
ein  entschiedener  Anhänger  von  de  la  Tour  du  Pin  und  eifriger  Mitarbeiter  der
Association  catholique.
])  Max  Turmann,  Le  Développement  du  Catholicisme  social  depuis
b  Encyclique  Rerum  novarum,  Paris,  1900,  p.  80  ff.
2 )  Z.  B.  die  früher  erwähnte  Einigung  auf  getrennte  Berufsorganisationen
der  Arbeitgeber  und  Arbeiter  mit  gemeinschaftlichen  Ausschüssen,  statt  gemeinschaftlicher ­
  Organisationen  (syndicats  mixtes).
8 )  Z.  B.  die  von  de  Mun  in  der  Kammer  eingebrachten  Vorlagen  die
Sozial  Versicherung  betreffend,  auch  die  zahlreichen  von  Abbé  Lemire  meist  selbst
ausgearbeiteten  und  von  ihm  in  der  Kammer  eingebrachten  sozialpolitischen
Gfesetzprojekte.
4 )  Z.  B.  die  Arbeiten  des  Stenographen  der  luxemburgischen  Kammer
J.  Depoin  über  Börsenwesen,  Spekulation  und  moderne  Formen  des  Wuchers
(Association  catholique,  1898,  Bd.  II,  p.  58  ff.),  welche  einem  1897  in  den
„Réunions  françaises  de  Revues  catholiques  sociales“  zustande  gekommenen
            
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