Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

Wirtschaftliche  Ideen-  und  Tatgeschichte

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Schutzzoll  auferlegt,  sind  nicht  unfruchtbar,  wenn  dieser  dazu  dient,
die  nationale  Unabhängigkeit  zu  sichern  oder  das  Aufkommen
gewisser  neuer  Industriezweige  zu  fördern  oder  eingesessene  Industrien ­
  vor  dem  Untergang  zu  bewahren,  der  ihnen  infolge
von  vorübergehenden  Umwälzungen  auf  dem  Weltmarkt  droht.
Der  merkantilistische  Protektionismus  wurde  zweifellos  in  der
Theorie  übertrieben  und  in  der  Praxis  häufig  schlecht  angewandt: ­
  an  sich  war  er  aber  eine  Notwendigkeit  der  Zeit 1 ).
Die  Änderung  der  wirtschaftlichen  Verhältnisse  zeitigte
naturgemäß  eine  antimerkantilistische  Reaktion  :  die  Lehre  von
der  Erreichung  günstiger  Handelsbilanzen  ohne  Zollschutz  und
gesetzliche  Reglementierung  der  Gewerbe.  An  die  Erörterung
dieser  Reaktion  schließt  Dubois  eine  Darlegung  der  Fiskalsysteme,
  nämlich  des  im  Frankreich  des  ancien  régime  bestehenden, ­
  der  Vorschläge  von  Vauban  und  Boisguilbert  und  der  Versuche ­
  von  Law.
Ein  Vorzug,  den  Dubois'  Buch  vor  vielen  anderen  französischen ­
  Arbeiten  hat,  ist,  daß  der  Verfasser,  ähnlich  wie  Levasseur ­
  in  seinen  großen  wirtschaftsgeschichtlichen  Werken,
die  Bedingtheit  des  wirtschaftlichen  Denkens  und  die  Faktoren,
welche  dasselbe  bestimmen,  jeweils  hervorhebt.  Er  bleibt  jedoch
nicht  dabei  stehen,  sondern  gibt  auch  gelegentlich,  wie  unsere
obigen  Ausführungen  dartun,  Urteile  über  den  absoluten  Wert
der  behandelten  Lehren  ab.
Die  Professoren  Ch.  Gide  (Paris)  und  Ch.  Rist  (Montpellier)
haben  in  jüngster  Zeit  ein  gemeinsam  verfaßtes  Lehrbuch  der
Geschichte  der  volkswirtschaftlichen  Lehren  veröffentlicht,  das
dort  einsetzt,  wo  Dubois’  Werk  einstweilen  aufhört 2 ).  Gide
und  Rist  ordnen  die  wirtschaftlichen  Anschauungen  nach  Verwandtschaftsgruppen, ­
  innerhalb  jeder  Gruppe  aber  dann  chronologisch. ­
  Dabei  halten  sie  sich  nicht  an  den  Zeitpunkt  der  Entstehung ­
  der  einzelnen  Doktrinen,  der  manchmal  schwer  feststellbar ­
  ist,  sondern  an  das  greifbare  Moment  der  Reifezeit,  des
Höhepunkts  einer  jeden  Anschauung.  Es  werden  fünf  Epochen
unterschieden:  1.  Die  Gründer  der  Volkswirtschaftslehre  (die

x )  ibid.  p.  268  ft.
2 )  Charles  Gide  et  Charles  Rist,  Histoire  des  Doctrines  économiques  depuis
les  Physiocrates  jusqu’à  nos  jours,  Paris  1909.
            
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