Full text: Die Nationalökonomie in Frankreich

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Der Solidarismus 
kommt, einen Gedanken vorzutragen, der sich schon bei Comte 
findet, verfehlt er nicht, die meist packende Formulierung, die 
jener ihm gegeben, zu zitieren. Auch ist der Positivismus Comtes 
nicht so ganz spurlos an Gide vorübergegangen. Was an Bau 
steinen für Historismus und Evolutionismus bei Comte vor 
handen ist, stellt Gide in helles Licht. Die Solidaritätsidee 
hat er in erster Linie bei Comte und den Fourieristen geschöpft. 
Der pessimistische Zug, den er bei ihr in den Vordergrund 
stellt, kommt von anderswoher : wahrscheinlich von Ruskin, 
Ibsen, Tolstoi. Bei den Soziologen Renouvier, Secretan und Fouillée 
fand er bereits einen umfassenden Ausbau des Solidaritäts 
gedankens sowie Ansätze zu seinem Kooperatismus und seiner 
heutigen Eigentumslehre. 
Eine schwache Seite, aber zugleich auch eine starke der 
Schriften Gides liegt in der bewußten Unfertigkeit mancher 
Grundanschauungen. Man fühlt so gut heraus, daß den Ver 
fasser die Ansicht, die er vorträgt, nicht voll befriedigt, und 
daß sein Geist ruhelos weiter nach besseren Lösungen strebt; 
so z. B. sieht Gide seine Werttheorie, in der er sich mit Marshall 
trifft, im Grunde nicht für definitiv an, ebensowenig wie er sich 
mit der sozialen Nützlichkeit als alleiniger Grundlage des Privat 
eigentums, wie sehr er auch glaubt, sich dafür entschieden zu 
haben, zufrieden zu geben vermag. Auch bezüglich der Zukunfts 
aussichten des Genossenschaftswesens, besonders der Produktiv 
genossenschaften, will es ihm nicht gelingen, aus schmerzlichen 
Schwankungen herauszukommen. In solchen Fällen überträgt 
die. Unbefriedigtheit des Autors sich auf den aufmerksamen 
Leser. Andererseits ist es aber auch ein schätzenswerter Vorzug, 
statt sich von vornherein auf die eine oder die andere Kategorie 
festzulegen, in die alle späteren Beobachtungsresultate wohl oder 
übel untergebracht werden, die Geschmeidigkeit des Geistes zu 
bewahren, die sich in der Bereitschaft und dem Streben äußert, 
bisherige Ansichten den Fortschritten der wissenschaftlichen Er 
kenntnis anzupassen. 
Der Solidarismus oder Kooperatismus Gides läuft auf 
ein großzügiges, soziales Reorganisationsprogramm hinaus, das 
dem korporativen Ideal der Sozialkatholiken sehr nahe kommt. 
Weniger wie de la Tour du Pin und Abbé Naudet ist es Gide 
gelungen, den utopischen Charakter, der den Quellen eignet,
	        
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