Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

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Die  Nationalökonomie  bei  den  Philosophen  und  Soziologen

den  einzelnen  Materien,  die  in  jedes  der  drei  Glieder  seiner
Trilogie  eingereiht  wurden.  Man  kann  sich  des  Eindrucks  manchmal ­
  nicht  erwehren,  daß  die  einzelnen  Fragen  dorthin,  wo  sie
untergebracht  sind,  mit  den  Haaren  herbeigezogen  werden
mußten 1 ).  Der  Tardesche  Aufbau  der  Nationalökonomie  ist,  so
wie  er  sich  zurzeit  darbietet,  nicht  festgezimmert.
Uns  will  dünken,  daß  die  Trilogie  Tardes  sich  mindestens
ebenso  fruchtbar  erwiesen  hätte,  wie  sie  es  tut,  während  die
angedeuteten  Mängel  hätten  vermieden  werden  können,  wenn
er  sämtlichen  Teilgebieten  der  Volkswirtschaftslehre  gegenüber
das  Verfahren  eingeschlagen  hätte,  das  er  in  einem  Schlußkapitel ­
  auf  das  Bevölkerungsproblem  anwendet.  Dieses  betrachtet
er  nämlich  nacheinander  unter  den  drei  Gesichtspunkten  der
Wiederholung,  der  Gegensätzlichkeit  und  der  Anpassung.
Um  uns  von  der  Eigenart  der  psychologischen  Fundamentierung ­
  der  Volkswirtschaftslehre  bei  Tarde  und  von  dem
überraschenden  Reichtum  an  Ideen,  der  seine  Werke  füllt,
genügend  Rechenschaft  geben  zu  können,  wird  es  nunmehr
nötig  sein,  einen  kleinen  Rundgang  durch  sein  System  zu
machen.
I.  Die  volkswirtschaftliche  Wiederholung.  Hieher  rechnet
Tarde,  wie  wir  oben  sahen:  die  Bedürfnisse,  die  Arbeit,  das
Geld  und  das  Kapital.
Die  Bedürfnisse  definiert  er  als  eine  Verbindung  von  Begehren ­
  und  Anschauungen.  Das  Bedürfnis  nach  einem  Gute
besteht  darin,  daß  wir  die  Befreiung  von  einem  Übel  oder  den
Erwerb  eines  Vorteils  begehren,  und  daß  wir  jenes  Gut  für  geeignet ­
  halten,  uns  zu  diesem  Ziele  zu  führen.  Die  Begehren
lassen  periodisch  aus,  die  Anschauungen  sind  kontinuierlich,
wenn  auch  nicht  immer  bewußt 2 ).  Ein  jeder  von  uns  dreht
beständig  in  einem  großem  oder  kleineren  Kreise  von  periodischen ­
  Begehren  herum,  dessen  Umlaufszeiten  regelmäßige  oder
unregelmäßige  sind.  Er  gerät  dabei  jeden  Augenblick  auf  den
Weg  irgend  einer  Laune  oder  Leidenschaft,  die  stets  als  Ge-1)
  Wenn  z.  B.  von  den  Banken  und  Börsen  im  Kapitel:  Gemeinschaften
des  dritten  Teiles  die  Bede  geht,  weil  sie  „Gemeinschaften  (associations)  sind,
.  .  .  .  welche  die  Anpassung  des  Geldes  an  seine  Funktion  als  Tauschmittel  bewirken“. ­
  ibid.  p.  221  ff.,  p.  411—412.
2 )  Tarde,  loe.  cit.  Bd.  I,  p.  210—211.
            
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