Die „interpsychologische“ Grundlegung der Nationalökonomie 499
sätzliclikeiten stellten, so sind diese Lösungen doch nur von
vorübergehendem Wert, weil die Anpassung fortwährend neue
Gegensätze erzeugt. Tarde nennt die wirtschaftlichen An
passungen auch wohl Harmonien l ).
Neben der uns schon bekannten Einteilung der Anpassungen
in positive und negative kennt Tarde mehrere andere. Davon
erwähnen wir nur die, welche auf der Unterscheidung von inneren,
individuellen und äußeren, sozialen Harmonien beruht. Erstere
sind die Voraussetzung letzterer. Das Beispiel der hauptsäch
lichsten Anpassungserscheinung, der Erfindung, veranschaulicht
dies am besten. Jede Erfindung besteht in der Vereinigung zweier
Ideen, die bis dahin als einander fremd oder gar entgegengesetzt
galten. Schauplatz dieser Ideenassoziation ist immer das Gehirn
eines Individuums. Von dort aus veräußerlicht sie sich und
breitet sich durch Arbeitsteilung aus. Die Erfindung, eine innere,
individuelle Anpassung von früher einander fremd gebliebenen
Elementen, ist also die Mutter der Arbeitsteilung, der äußern,
sozialen Harmonie der verschiedenen Arbeiten, und damit auch
des Tausches, der äußern, sozialen Harmonie der Arbeiten und
Bedürfnisse und der Bedürfnisse untereinander. Um sich jedoch
fortdauernd entwickeln zu können, bedarf der Tausch, außer
der Voraussetzung von Erfindung und Arbeitsteilung, d. h. der
Produktion für den Markt, einer Sicherung des Marktes. Damit
ein Mann die Idee fassen könne, seinen Lebensunterhalt dadurch
zu erlangen, daß er für die Befriedigung eines bestimmten Be
dürfnisses der an einem Orte wohnenden Menschen arbeitet,
muß die Mehrheit dieser aus der Phase der unbeständigen
Launen herausgewachsen sein, und durch eine geregelte Lebens
führung die innere, individuelle Harmonie ihrer verschiedenen
Bedürfnisse erreicht haben, welche eine periodische Wiederkehr
desselben Bedürfnisses garantiert 2 ). Der Tausch setzt also letzt
lich zwei Anpassungen voraus : auf Seiten des Produzenten die
Erfindung, auf Seiten des Konsumenten die Gewöhnung an
regelmäßige Bedürfnisse.
In enge Verbindung mit der Theorie von der grundlegenden
Bedeutung der Erfindungen für das Wirtschaftsleben bringt
b ibid p. 209 ff.
2 ) ibid. p. 213 ff., Bd. I. p. 166 ff.