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I. Teil. Allgemeines.
Praktischen und dauernden Wert hat ftir die Arbeiterklasse im
letzten Grunde nur die Sozialpolitik. Ob die sozialistische Gesell
schaftsordnung jemals zu dauernder Geltung gelangen kann, und wie
sich in einer sozialisierten Gesellschaft die Verhältnisse gestalten werden,
kann niemand sagen. Auch die, welche an den Sieg der sozialistischen
Ideen glauben, erwarten ihn jedenfalls erst in einer fernen Zukunft,
von wenigen Ausnahmen abgesehen. Was hat davon der heut lebende
Arbeiter? Es mag schön und verlockend sein, sich in eine ideale Zu-
kunfswelt hineinzuträumen; an den jetzt bestehenden Mißständen wird
dadurch nichts gemildert. Gibt es Wege, die Übelstände, die in unserer
Zeit bestehen, zu beseitigen oder wenigstens abzuschwächen und den
ärmeren Volksschichten, namentlich den Lohnarbeitern, zu besseren
Lebensverhältnissen zu verhelfen, so bringt das den Bedrängten un
mittelbare und schnelle Hilfe. Daß dies nicht immer erkannt wird,
daß trotz aller Fortschritte der sozialpolitischen Arbeit gerade von den
Lohnarbeitern ein sehr großer Teil dem Sozialismus anhängt, hat viele
Gründe. Auf den Mitgenuß der erreichten Fortschritte braucht ja
deshalb kein Arbeiter zu verzichten, weil er an den sozialistischen
Zukunftsträumen festhält, und da ihm das Erreichte in der richtigen
sachlichen Würdigung selten oder gar nicht dargestellt wird, und da
trotz des Erreichten für jeden noch viel zu wünschen bleibt, so sucht
er die Richtung auch politisch zu fördern, die ihm mehr verspricht,
als die Sozialpolitik. Man kann nicht leugnen, daß für die Massen
des Volkes der Sozialismus, dessen Verheißungen kein Arbeiter auf
ihre innere Begründung und Berechtigung prüfen kann, eine viel
größere werbende Kraft hat, als die Sozialpolitik, die ständig dazu
mahnt, sich auf das Erreichbare zu beschränken. Es ist die alte,
in der Geschichte aller Zeiten bestätigte Erscheinung, die sich hier
wiederholt, daß der in seiner Kritik und in seinen Forderungen un
beschränkte Standpunkt leichter eine gläubige Anhängerschaft um
sich schart, als der gemäßigte. Mit dieser Tatsache wird man rechnen
und sich abfinden müssen. Daß die politischen Vertreter des Sozialis
mus an sich keine Veranlassung haben, der Sozialpolitik zu größerer
Anerkennung bei der breiten Masse des Volkes zu verhelfen, wurde
schon gesagt. Wenn gleichwohl innerhalb der dem Sozialismus an
hängenden Parteien in Deutschland und noch mehr im Auslande Gruppen
vorhanden sind, die bereit sind, an der Lösung der sozialpolitischen
Aufgaben mit zu arbeiten, so zeigt das nur, daß in einer Partei von
so großer Ausdehnung Unterschiede in der grundsätzlichen Auffassung
unausbleiblich sind, die aber aus taktischen und politischen Erwägungen
lange Zeit hindurch verdeckt werden können. Käme es einmal dahin,
daß derartige Erwägungen nicht mehr wirksam sind, so würde sich
zeigen, daß mit den bisherigen Grundlehren des Sozialismus ein Pak