Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

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Die  liberale  Schule

Zweitens  lehrt  Ricardo,  jedes  Anwachsen  der  Bevölkerung ­
  bringe  den  Nichtstuern,  in  deren  Besitz  sich  die  bessern
Ländereien  befinden,  eine  erhöhte  Grundrente,  während  das
Steigen  der  Nahrungsmittelpreise,  welche  die  notwendig  gewordene ­
  Inanbaunahme  unfruchtbarer,  höhere  Produktionskosten ­
  erheischender  Grundstücke  veranlaßt,  ein  zunehmendes
Elend  der  arbeitenden  Menschheit  zur  Folge  hat.  Die  natürliche
Ordnung  führt  also  nach  Ricardo  zu  progressiver  Ungleichheit.
Drittens  schließen  die  Bevölkerungsgesetze  Malthus'  auf  unvermeidlichen ­
  Bauiperismus,  indem  sie  lehren,  daß  die  Menschen
die  Tendenz  haben,  sich  ungleich  rascher  zu  vermehren,  als  die
notwendigen  Subsistenzmittel.
Die  Pessimisten  lehren  also,  daß  „die  großen,  providentiellen
  Gesetze  die  Gesellschaft  ins  Elend  stürzen“.  Sie  wollen
trotzdem  nicht,  daß  man  deren  Wirkungen  entgegen  trete,
weil  diese  durch  sekundäre  Tendenzen  gehemmt  werden.  Die
Sozialisten  schließen  aus  demselben  Satze,  jene  Gesetze  müssen
beseitigt  und  durch  andere  ersetzt  werden,  „an  die  Stelle  des
freien  Werkes  Gottes  sei  ein  künstliches,  von  Menschenhand
errichtetes  zu  setzen“.  Die  Katholiken  erkennen  ebenfalls  die
pessimistische  Lehre  an;  doch  sagen  sie,  man  müsse  den  gemeinten ­
  Gesetzen  zu  entgehen  suchen,  indem  man  auf  irdische
Interessen  verzichtet  und  den  Weg  der  Entsagung,  des  Opfers,
des  Asketismus,  der  Resignation  betritt.
Allen  diesen  hält  nun  Bastiat  die  Worte  Duponts  von
Nemours  entgegen  :  „Die  natürliche  Ordnung  ist  das  Produkt
der  Naturgesetze.  Diese  kommen  vom  Schöpfer  aller  Dinge.
Das  höchste  Wesen  ist  gut  und  konnte  nicht  das  Unglück
seiner  Geschöpfe  wollen.  Deshalb  muß  notwendig  die  natürliche ­
  Ordnung  die  vorteilhafteste  für  das  Menschengeschlecht
sein 1 ).“  Von  dieser  Grundidee  der  Stoa  und  des  rationalistischen ­
  Deismus  Descartes’  und  Malebranches  ausgehend,
entwickelt  Bastiat  die  Idee  der  empiristischen  Philosophen
des  XVII.  und  XVIII.  Jahrhunderts  von  der  Harmonie  aller
Interessen  in  geradezu  großartiger  Weise.  Er  löst  das  ganze
Wirtschaftsleben  in  Harmonien  auf.  Vorkommende  Antagonis-')

  Dupont  de  Nemours,  Origine  et  Progrès  d’une  Science  Nouvelle,  Ausgabe ­
  Guillaumin,  p.  36.
            
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