Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

Geschichtlicher  Überblick

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liebt  er  besonders.  Doch  erheben  sich  diese  geschichtlichen
Exkurse  kaum  über  das  Niveau  oberflächlicher  Gegenüberstellungen. ­
  Tiefer  und  gründlicher  ist  allerdings  die  historische
Behandlung  der  Geldfragen,  wie  denn  überhaupt  der  Band  vom
Gelde  am  meisten  Anspruch  auf  Wissenschaftlichkeit  erhebt 1 ).
Für  die  theoretischen  Grundlagen  der  Nationalökonomie
zeigte  Chevalier  zeitlebens  wenig  Interesse.  Die  Prinzipien  nimmt
er  einfach  als  feststehend  an  und  kümmert  sich  nicht  um  deren
Begründung.  Allerdings  machten  seine  Anschauungen  einen
Wandel  durch,  insofern  der  frühere  Saint-Simonist  sich  nur  nach
und  nach  den  rigorosen  Lehren  des  laisser  faire,  laisser  passer
anbequemen  konnte.  In  der  ersten  Auflage  seiner  Vorlesungen
(1842  —  1844)  übt  er  scharfe  Kritik  am  Grundsätze  des  Eigeninteresses ­
  als  Triebfeder  des  wirtschaftlichen  Handelns,  verlangt
korporative  Organisation  der  Industrie  und  staatliche  Beaufsichtigung ­
  aller  Gewerbebetriebe 2 ).  In  der  zweiten  Auflage

1)  Bemerkenswert  ist  Chevaliers  Stellungnahme  in  der  Währungsfrage.
Als  er  sich  zum  erstenmale  damit  beschäftigte  (in  den  40er  Jahren),  neigte  er
zur  Goldwährung.  Im  dritten  Bande  seiner  Vorlesungen  (1.  Ausl.  1850)  begnügt
er  sich  mit  einer  Darstellung  tatsächlicher  Zustände,  ohne  Stellung  zu  nehmen.
Da  kam  die  Entdeckung  der  kalifornischen  placers  und  der  australischen  diggins
und  der  Preissturz  des  Goldes.  Der  Goldwert  im  Verhältnis  zum  Silber  sank
unter  das  in  Frankreich  gesetzlich  normierte  Verhältnis.  Chevalier  hielt  diese
Erscheinung  einen  Augenblick  für  definitiv  und  trat  mit  der  Forderung  der  Einführung ­
  der  Silberwährung  an  die  Öffentlichkeit  (De  la  baisse  probable  de,  l’or,
1859).  Später  verschloß  er  sich  jedoch  besserer  Einsicht  nicht  und  entschied
sich  endgültig  für  die  Goldwährung.  Zwischen  Wolowski,  welcher  Anhänger  des
französischen  Systems  der  Doppelwährung  mit  gesetzlich  normiertem  Verhältnis
war,  und  Chevalier  gab  es  häufig  Auseinandersetzungen  über  die  Währungsfrage
in  den  Sitzungen  der  Société  d’économie  politique.  Vgl.  Courtois,  loe.  cit.
p.  474.
2)  „Die  Unordnung,  die  Schändlichkeiten  und  Gewalttaten,  die  nur  zu
häufig  in  der  Industrie  anzutreffen  sind,  beweisen  nur  eines,  daß  sie  nämlich
nicht  unter  der  Herrschaft  des  absoluten  Individualismus  bleiben  darf.  Die  absolute ­
  Herrschaft  irgend  eines  Prinzips,  sei  es  desjenigen  der  Freiheit  oder  der
Autorität,  kann  nicht  bei  den  modernen  Völkern  gedeihen.  Den  Saturnalien  des
Eigeninteresses,  die  wir  heute  sehen  müssen,  wollen  wir  den  Sinn  für  das  Interesse ­
  der  Gesamtheit  entgegenstellen  ....  wir  müssen  uns  bemühen,  den  Produzenten ­
  den  Geist  der  Assoziation  einzuflößen,  und  ihnen  die  Vorteile  der  Solidarität ­
  zu  kosten  geben.  Jedoch  wird  man  dem  Staate  nur  ausnahmsweise  diese
oder  jene  Produktionszweige  überlassen  können.“  Unter  die  Produktionszweige,
welche  Chevalier  dem  Staate  zu  überlassen  empfiehlt,  reiht  er  auch  die  Eisen-
            
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