Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

Geschichtlicher  Überblick  37

stischen  Lehre  am  meisten  zusagten,  treu.  Er  hat  einerseits
sich  immer  mit  Vorliebe  mit  Verkehrsfragen  beschäftigt  und
den  Ausbau  von  Verkehrswegen  in  seinem  Vaterland  stets  mit
allen  ihm  zu  Gebote  stehenden  Mitteln  gefördert.  Andererseits
hat  er  nie  eine  Gelegenheit  versäumt,  für  die  Idee  des  Weltfriedens ­
  einzustehen,  ein  Umstand,  der  übrigens  für  seine  spätern
Lebensschicksale  entscheidend  wurde.
Als  Leiter  des  Globe  wurde  Chevalier  in  den  Prozeß,
welcher  der  Saint-Simonistischen  Gemeinde  ein  jähes  Ende  bereitete, ­
  verwickelt  und  zu  einem  Jahr  Gefängnis  verurteilt.  Im  Gefängnis ­
  wurde  er  Mitarbeiter  des  Journal  des  Débats.  Als  solcher
bekämpfte  er  die  kriegslustigen  Pläne  der  damaligen  Opposition,
welche  die  Julirevolution  durch  Europa  tragen  und  das  unrühmliche ­
  Ende  der  napoleonischen  Epoche  an  den  Mächten  rächen
wollte.  Die  entschiedene  Stellungnahme  Chevaliers  zugunsten
der  von  der  Regierung  der  Julimonarchie  —  unter  dem  Einfluß
Talleyrands  —  befolgten  Friedenspolitik,  lenkte  die  Aufmerksamkeit ­
  der  führenden  Kreise  auf  ihn.  Er  gewann  so  die
Protektion  von  Guizot  und  Mole,  der  beiden  neben  Thiers
hervorragendsten  Staatsmänner  jener  Zeit,  wurde  nach  Verbüßung ­
  der  Hälfte  seiner  Strafe  begnadigt  und  mit  einer  Studienmission ­
  nach  Amerika  betraut.  Aus  Chevaliers  zweijähriger
Amerikareise  gingen  ein  technisches  Werk  über  den  amerikanischen ­
  Eisenbahnbau,  sowie  seine  Lettres  sur  L'Amérique  du
Nord  hervor.  Letztere  geben  in  glänzender,  farbenreicher
Sprache  wieder,  was  er  vom  politischen,  wirtschaftlichen  und
sozialen  Leben  jenseits  des  Ozeans  beobachtete.  Sie  verraten
viel  gesunden  Menschenverstand  und  praktischen  Sinn,  sowie
ein  besonders  scharfes  Augenmerk  für  die  tatsächlichen  Grundlagen ­
  der  amerikanischen  Freiheit.
1836  wurde  Chevalier  Mitarbeiter  der  Revue  des  Deux
Mondes,  was  dazu  beitrug,  seinen  Stil  klarer  und  präziser  zu
machen  und  von  dem  apokalyptischen  Schwulst  der  Saint-Simonistischen ­
  Zeit  zu  reinigen.  In  seiner  Denkweise  blieb  er  jedoch
Romantiker,  aller  abstrakten  Theorie  abhold.  Einiges  Aufsehen
erregte  seine  1838  erschienene  Schrift:  Intérêts  matériels,  welche
einen  vollständigen,  detaillierten  Plan  eines  ganz  Frankreich
umspannenden  Eisenbahnnetzes  enthält.  Chevalier  erwies
sich  in  dieser  Schrift  als  gründlichen  Kenner  der  Wirtschafts-
            
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