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Die liberale Schule
hunderts zwei große Sammelwerke schuf. Das eine ist eine
Sammlung von Monographien unter dem Titel: Economie Poli
tique (22 Bde. 1846—52). Das andere ist ein Wörterbuch:
Dictionnaire de l'Economie Politique (herausgegeben von Coquelin
und Horace Say, 2 Bde. 1853).
Courcelle-Seneuil (1813—1892) war ursprünglich Journa
list; 1852—58 war er Professor der Nationalökonomie und ein
flußreicher Berater der Regierung in Santiago de Chile 1 ). 1858
kehrte er nach Frankreich zurück. Professor Cli. Gide gibt von
ihm folgende treffende Charakteristik: „Von allen zeitgenössi
schen Volkswirten Frankreichs hat er vielleicht am meisten
Achtung im Ausland, besonders in England und den Vereinigten
Staaten von Nordamerika genossen. In Frankreich selbst wurde
er weniger geschätzt, weil er einen Fehler hatte, den seine
Landsleute nur selten verzeihen: er war etwas langweilig und
sehr pedantisch. Er hatte die Lehrbücher von Stuart Mill und
Summer Maine übersetzt und sich dabei eine straffe wissen
schaftliche Selbstzucht, eine strenge Methode angewöhnt. Er
bemühte sich, aus der Volkswirtschaftslehre ein festgefügtes
Lehrgebäude zu machen, und in der Tat rufen seine Werke
einen soliden und überzeugenden Eindruck hervor. Er war
gleichsam der Pontifex Maximus der klassischen Schule ; seiner
Hut waren die heiligen Doktrinen anvertraut, und ihm lag es
ob, die Ketzer zu denunzieren und auszurotten. Lange Jahre
hindurch hatte er in den Bücherbesprechungen des Journal des
Economistes diese Mission mit priesterlicher Würde erfüllt. Mit
Argusaugen wußte er die leisesten Anwandlungen einer Ab
weichung von der liberalen Schule zu erspähen, und er haupt
sächlich führte den Feldzug gegen die Professoren der Rechts
fakultäten, als man diese von 1878 ab zu Professoren der
politischen Ökonomie ernannte .... Übrigens bewies Cour
celle-Seneuil auch den Schülern Le Plays gegenüber keine
größere Nachsicht 2 ).“
*) Courcelle-Seneuil hat neben nationalökonomischen, philosophische, poli
tische und juristische Werke, sowie solche über Buchführung und Banktechnik
veröffentlicht. Seine bedeutendsten Schriften sind: Traité théorique et pratique
d’économie politique 2 Bde., zuerst 1857, 3. Ausi. 1891 und: Les Opérations de
Banque, zuerst 1852. 9. von A. Liesse besorgte Auflage 1905.
2 ) Ch. Gide, Die neuere volkswirtschaftliche Literatur Frankreichs, in
Sehmollers Jahrbuch 1895, p. 710—711.