Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

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Die  liberale  Schule

retischen  und  einen  praktischen  Teil  an.  Eigentlich  rührt  ja
die  Idee  dieser  Gliederung,  wie  wir  sahen,  von  Rossi  her.  Mehr
unter  dem  Einflüsse  Rossis  und  St.  Mills,  als  unter  demjenigen ­
  Cour  celle-  Sen  euils,  wurde  sie  dann  von  den  Mathematikern ­
  unter  den  Nationalökonomen  französischer  Zunge,  den
der  österreichischen  Schule  nahestehenden  Professoren  der  Universität ­
  Lausanne,  Walras  und  Pareto,  rezipiert.  Neuerdings  gewinnt ­
  in  Frankreich  die  Auffassung  Rossis,  zum  Teil  unter
dem  Einfluß  Courcelle-Seneuils  (F.  Faure),  an  Boden.
A.  E.  Cherbuliez  (1797—1869),  ein  geborener  Schweizer,
lehrte  Nationalökonomie  an  den  Akademien  in  Genf  und  Neuchâtel, ­
  sowie  am  eidgenössischen  Polytechnikum  in  Zürich.
Später  lebte  er  in  Paris.  Cherbuliez  war  ein  streng  systematischer, ­
  abstrakt  denkender  und  mathematisch  geschulter
Geist.  Er  steht  unter  dem  Einfluß  Stuart  Mills.  In  seinem
Précis  de  la  Science  économique  et  de  ses  'principales  applications
(2  Bände,  Paris  1862)  führt  er,  das  Beispiel  Courcelle-Seneuils
nachahmend,  eine  Gliederung  der  Wirtschaftswissenschaft  in
spekulative  und  angewandte  Volkswirtschaftslehre  durch.
Der  erste  Teil,  die  reine  Wissenschaft,  ist  eine  streng  abstrakte ­
  Darlegung  der  klassischen  Lehre,  welcher  die  Einteilung
in  Produktion,  Umlauf  und  Verteilung  der  Güter  zugrunde  liegt.
Cherbuliez  betont  die  große  Komplexität  der  wirtschaftlichen
Erscheinungen,  überbietet  aber  womöglich  Dunoyers  methodologischen ­
  Optimismus  und  dessen  Verkennung  der  spezifischen
Wirkungsweise  des  menschlichen  Handelns,  wenn  er  schreibt:
„Was  hindert  die  Wissenschaft  daran,  ihre  Untersuchungen  auf
alle  mitwirkenden  Kräfte  auszudehnen  und  so  zu  Theorien  zu
gelangen,  welche  die  Wirklichkeit  nicht  mehr  Lügen  straft 1 )?“
Der  zweite  Teil  von  Cherbuliez’  Werk  trägt  den  Titel:
„Wirtschaftliche  Gesetzgebung  oder  angewandte  Volkswirtschaftslehre.“ ­
  An  der  Hand  der  Einteilung,  welche  dem  ersten  Teil
zugrunde  liegt,  läßt  der  Autor  die  wirtschaftspolitischen  Einrichtungen ­
  und  gesetzlichen  Maßnahmen,  welche  auf  die  verschiedenen ­
  Erscheinungsgebiete  Bezug  haben,  Revue  passieren
und  übt  daran  Kritik.  Die  hier  gewählte  Systematik  der  Wirtschaftspolitik ­
  mutet  zwar  etwas  sehr  logisch-mechanisch  an  und

i)  Cherbuliez,  Précis  de  la  Science  Economique,  Bd.  I,  p.  15.
            
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