Full text: Wirtschaft als Leben

Methodologische Glossen, XVII. 
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wahrhafte Neuerung, und tief ist es als solche auch empfunden worden. 
Wie anders erklärte sich auch der gewaltige Eindruck der Leistung 
Böhm-Bawerks auf die ganze FachweltI Der Ruck, den alle 
spürten, war eben nahe vom archimedischen Punkt der ganzen Theorie 
ausgegangen, weil Böhm-Bawerk den Hebel eigentlich schon an 
ihre „Wortgebundenheit“ angelegt hat. Allein, da er ihn nur einseitig 
ansetzte, ist der Hebel abgeknickt. Dem äußeren Verlauf nach wurde 
der geniale Neuerer zugleich von allen Seiten derer, die er aus der 
Ruhe des Herkömmlichen aufgestört hat, so sehr in Polemik verwickelt, 
daß seine Theorie wohl an Durchbildung, nicht aber an erkenntnis 
kritischer Vertiefung gewann. Die erkenntniskritische Verallgemeinerung 
blieb überhaupt aus. Im Enderfolg konnte die Rückbesinnung auf 
vereinzelte Probleme doch nicht fruchten. Das Netz war bloß an einer 
Stelle durchgerissen, nicht abgestreift. In seinem Reste blieb selbst 
die vorstoßende Theorie hängen; die Theorie als Ganzes verfing sich 
neuerdings erst recht arg in diesem Netze. Abermals war die Wort 
gläubigkeit dahinter geschäftig und ein kleinliches Fortspinnen der 
Gedanken. So ging auch dieser rühmliche Vorstoß als Episode aus. 
Wie läßt sich nun wirklich der Zwang brechen, der aus dieser 
verhängnisvollen Notlage unseres fachlichen Denkens erwächst? Keines 
wegs durch irgendeine Änderung der Methode, soweit „Methode der 
Darstellung“ gemeint ist, in jenem tiefen Sinne Heinrich Rickerts, 
daß man darunter die Art und den Vorgang der Begriffsbildung zu 
verstehen hätte. Das hieße das Pferd beim Schweif aufzäumen. Mein 
Spott über die „isolierende Abstraktion“ verhüllt ja keineswegs die 
Absicht, etwa gar für eine recht lebhaft „abnehmende Abstraktion“ 
freie Bahn zu schaffen, um auf diesem Wege der Wirklichkeit näher 
zu kommen. Der kommt man so nicht näher. In diesem „abnehmend 
abstrahieren“, wie es heute Übung ist, sehe ich einfach ein „zunehmend 
fingieren“, ein Häufen der Unterstellungen, von denen aus an die 
»unfreie Nachdichtung“ der Wirklichkeit geschritten wird. Dann ver 
dichten sich in der gewissen Zeichnung aus eitel Hilfslinien wohl die 
letzteren, es erleichtert sich das Einzeichnen der Grundlinien; aber auf 
diese kommt es geradeaus an, ohne erst solche Umwege einzuschlagen, 
fifie „isolierende Abstraktion“ selber bedarf aus dem einfachen Grunde 
keines Ersatzes, weil sie ja eigentlich gar nicht da ist. Das aber, was 
wirklich geübt wird, eben die „unfreie Nachdichtung“, räumt den Platz 
ganz von selber der rechtmäßigen „Methode der Darstellung“, sobald 
fiie Sache aus der Tiefe heraus eingerenkt wird. 
Das ist möglich nur durch einen Wechsel in der „Methode der 
Forschung“! Diese ist auch wieder nicht in dem flachen Sinn etwa
	        
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