Full text : Wirtschaft als Leben

654

„Freiheit  vom  Worte“,

einer  Technik  der  Behandlung  von  Tatsachen  gemeint,  z.  B.  also  im
Sinne  der  „historischen  Methode“,  das  will  sagen  des  richtigen  Umgangs ­
  mit  den  „Quellen“,  sondern  in  jenem  tiefen  Sinn,  wie  sich  das
erkennende  Denken  überhaupt  erst  darauf  einstellt,  was  ihm  das  erfahrende ­
  Denken  vorlegt.  Das  hier  Gemeinte  hat  schon  angeklungen:
Es  gilt,  das  als  Tatbestand  richtig  Gesehene  erst  noch  richtig  als
Problem  zu  sehen.  Dazu  gehört  mehrerlei.  Erstens  darf  man  sich
schon  am  „Stoff“  nicht  vergreifen,  nicht  also  für  „Fakten“  an  „Daten“,
nicht  für  die  Tatbestände  des  Zusammenlebens  an  irgendwelcher
„Natur“,  in  „psychologistischer“  Unart;  aber  darüber  habe  ich  mich
längst  schon  in  meinen  Aufsätzen  „Zur  sozialwissenschaftlichen  Begriffsbildung“ ­
  ausgesprochen.  Zweitens,  was  hier  den  Ausschlag  gibt,  es
müssen  wahrhafter  Selbstbesinnung  abgerungene  Probleme  sein,  worauf
man  das  Erfahrbare  erkennend  bezieht!
So  weicht  jeder  Zweifel  darüber,  wie  sich  die  allwirtschaftliche
Auffassung  über  die  Schwelle  des  theoretischen  Bewußtseins  heben
läßt.  Sie,  die  längst  schon  die  beste  Empirie  unserer  Wissenschaft  getragen ­
  hat,  als  richtiges  Lebensgefühl,  soll  fernerhin  auch  die  Theorie
beleben,  zu  sicherer  Führung  des  theoretischen  Denkens.  Der  Weg
nun,  diese  Auffassung  vollbewußt  zu  hegen,  führt  offenbar  nur  über
die  Läuterung  der  fachlichen  Problematik!  Beim  Erarbeiten  dieser
Auffassung  muß  es  die  Nationalökonomie  immerzu  nach  Klarheit  treiben
über  ihre  Probleme,  unentwegt  bis  zu  den  grundlegendsten  zurück,  und
nach  Klarheit  auch  über  den  Zusammenhang  zwischen  ihnen.  Als
Ertrag  dieser  Läuterung  der  grundlegenden  Problematik  darf  es  noch
nicht  gelten,  daß  man  je  den  verschiedenen  „Grundbegriffen“  entlang
einzeln  nach  den  Problemen  tastet,  um  dergestalt  den  verhängnisvollen
„Ausgang  vom  Worte“  Schritt  um  Schritt  zu  überwinden.  Vom
Schweiß  ihres  mühseligen  Werdeganges  darf  ja  dem  Abschluß  einer
Sache  nichts  mehr  ankleben.  Ganz  grundsätzlich  und  in  einem  Zuge
muß  das  Aufrollen  dieser  tiefsten  Probleme  geschehen.
Derlei  Arbeit  an  ihr  selber  erscheint  selbst  für  eine  Erfahrungswissenschaft, ­
  die  so  inniglich  wie  die  Nationalökonomie  dem  Leben
verwachsen  ist,  zwingend  geboten.  Vorerst  ist  es  freilich  nur  auf  die
Wissenschaft  abgesehen,  revidiert  man  ihre  Problematik.  In  ihren
Problemen  lebt  ja  eine  Wissenschaft  ihr  tiefstes  Leben,  und  sie  erlebt
in  deren  Läuterung  ihre  eigene  Reife.  Für  die  Wissenschaft  selber
gipfeln  auch  alle  Versuche,  ihre  Probleme  zu  lösen,  abermals  nur  darin,
diese  Probleme  selber  zu  läutern  und  ihres  Zusammenhanges  sicherer
zu  werden.  Doch  nur  scheinbar  ist  dies  „l’art  pour  l’art“  gedacht.
Das  praktische  Leben  allerdings  heischt  Lösungen  und  harrt  dieser
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.