Full text : Geschichte des Bremer Binnenhandels im 19. Jahrhundert namentlich unter den alten Verkehrsformen und im Übergang

sukzessiven  Ausbau  von  Kunststrafsen  zu  leiden  gehabt.  Mit  der  Wegwendung ­
  des  Verkehrs  trat  allgemein  die  Übervölkerung  am  schärfsten
hervorundführtenamentlich  zu  scharfer  Anspannung  der  Hausindustrie. 1 )
Die  Eisenbahnen  haben  an  manchen  Plätzen,  wo  viele  Hände
und  wenig  Arbeit  sind,  Filialfabriken  gewisser  Industrien,  wie  der
Tabaksindustrie  entstehen  lassen,  eine  ganz  moderne  typische  Erscheinung ­
  in  den  Touristengegenden  geschaffen.
Die  alten  Fuhrmanns-  und  Kleinindustriegegenden  sind  auch
namentlich  diejenigen,  die  die  gröfste  Dezentralisation  der  von  Bremen
aus  direkt  versorgten  Handelsplätze  zeigen.
Im  bremischen  Verkehr  überwiegt  noch  durch  den  Anfang  des
neunzehnten  Jahrhunderts  der  zweirädrige  Karren 2 );  im  neunzehnten
Jahrhundert  in  der  Chausseezeit  ist  der  vierrädrige,  reglementierte
grofse  Frachtwagen,  bei  dem  die  Pferde  an  der  Stange  gehen,  das
typische  Fuhrwerk 3 )-(Mitteilung
  aus  Bremke  an  der  Heiligenstädter  Stralse  u.  a.).  Die  Wirtshäuser
vor  den  Steigungen  besorgten  und  stellten  zu  einem  Teil  die  Pferde,  und
aufserdem  wurden  Frachtfuhrwerksbetrieb  und  Vorspanngeben  kombiniert.
(Mitteilung  von  Herrn  Knüppel  aus  der  in  Münden  ansässigen  ehemaligen
Fracbtfubrmannsfamilie).  Vgl.  auch  Johann  Preissler,  Noth-  nnd  Hülfsbüchlein
  für  Fuhrleute  zu  Hause  und  auf  der  Reise,  Ilmenau  1825,  S.  37  ff.
‘)  Vgl.  u.  a.  F.  Kurz,  Verkehrsgeschichte  des  Arlbergs,  1899,  die  Verhältnisse ­
  in  Thüringen  etc.
2 )  In  Göttingen  sind  nach  den  Torextrakten  vom  Oktober  1784  bis
ult.  September  1785:  485  Wagen,  890  Karren  ein-,  218  Wagen,  511  Karren
aus-,  361  Wagen,  1216  Karren  durchpassiert,  in  Hannoversoh-Münden  gingen
1796  im  Jahre  ungefähr  nach  Frankfurt  a.  M.  und  Mainz  150  Wagen  und
600  Karren,  nach  Nürnberg  14  Wagen  und  118  Karren.  In  Hannover  ergibt
sich  aus  den  Lasten  ein  ähnliches  Verhältnis.  Zwischen  Bremen  und  Hamburg
scheinen  Wagen  1785  verkehrt  zu  haben.  Patje,  Kurzer  Abrifs  des  Fabriken-,
Gewerbe-  und  Handlungszustandes  in  den  churbr.-lüneburgischen  Landen,  1796,
Auch  auf  dem  Bilde  der  Stadt  Bremen  in  dem  Bremer  Haushaltskalender  von
1825  (Stadtbibliothek)  ist  noch  der  Frachtkarren  die  Staffage,  während  er
in  späteren  Ansichten  von  dem  grofsen  Frachtwagen  verdrängt  ist.
3 )  s.  dazu,  wie  zu  dem  früheren,  meine  Darstellung  des  Prachtfuhrwesens.
Vgl.  u.  a.  hannoversches  Gesetz  über  die  Weggelderhebung,  den  Gebrauch  der
Chausseen  und  die  Wegpolizei  vom  4.  Dez.  1834,  ferner  Gesetz  vom  19.  Aug.
1836,  preufsisches  vom  17.  März  1839,  12,  März  1850,  Grofsh.  hessisches  Gesetz
über  die  Erhebung  des  Chausseegeldes  vom  6.  März  1824,  Nürnberger
Verordnung  vom  16.  Sept.  1756,  betreffend  das  die  bayrischen  und  die
schwäbischen  Kreislande  befahrende  Fuhrwerk  (Nürnberger  Stadtarchiv),  Bayrische
Verordnung  vom  16.  Juli  1840,  K.  K.  österreichische  Hofkammerdekrete  vom
4.  April  1805,  10.  Sept.  1816,  Hofkanzleidekret  vom  30.  April  1840  usw.  Zur
Durchführung  einer  neuen  einheitlichen  weiten  Spur  im  18.  und  Anfang  des
19.  Jahrhunderts  vor  und  mit  der  Ausbreitung  der  Chausseen  einige  vorläufige
Bemerkungen  in  meinem  Zur  Geschichte  der  alten  Handelsstrafsen  in  Deutschland, ­
  1907,  S.  20.
            
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