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daß die erhöhten Steuern bezahlt werden können. Das Ausland erhält das Oeld
zurückerstattet, ohne daß irgendeine Mehrproduktion stattfindet. Die Dinge
liegen keineswegs immer so einfach; diese Extremfälle sollen nur zeigen welch
verschiedene ÄUderungen im Wirtschaftsmechanismus die gleiche Vorkehrung
wie Aufnahme und Rückzahlung einer Anleihe, mit sich bringen kann. Man
könnte als extreme Fälle die Oüteranleihe und die Anleihe an Zirkulationsmitteln
unterscheiden. Gewöhnlich sind beide Typen miteinander verbunden.
Die Verschiedenheiten sind noch größer, wenn man die Verschiebungen innerhalb
der Gesellschaft ins Auge faßt. Es handelt sich darum, wie die Gelder,
die aus der Anleihe stammen, sich wieder verteilen; sie können in mehrfacher
Hinsicht die Güterverteilung noch ungleicher gestalten, als dies ohnedies sclion
der Fall ist, erstens dadurch, daß die Steuerlast zur Aufbringung der Zinsen
die Armen drückt, dann aber dadurch, daß bei Bestellungen aus den Anleihegeldern
oft die Realeinkommen der reichen Unternehmer sich rascher vergrößern
als die der Arbeiter. Nur selten werden die Gelder aus Anleihen zur
Vermehrung der Realeinkommen der ärmeren Schichten verwendet, was gewissermaßen
eine Ausgleichung gegenüber der Bereicherung der Obligationenbesitzer
bewirken würde.
Die Anleihe kann entweder einem Schatz, oder der Zirkulation entnommen
werden. Je nachdem, ob das eine oder das andere der Fall ist, ist
die Wirkung eine verschiedene. Die Aufsaugung von Horten durch Anleihen
kann vielfach belebend wirken, indem Gelder flüssig werden, die sonst ruhten.
Es kann so die Produktion gesteigert werden, wenn Umlaufsmittel fehlten.
Ähnlich wie die Geldbeschaffung aus Horten günstig wirken kann, kann dies
auch bei einer Aufsaugung von Geldern der Fall sein, die sonst eine Überspekulation
gefördert hätten. Geht dies Geld ins Ausland, so ändert sich im
Inland eventuell nichts. Es ist aber keineswegs gleichgültig, in welcher Weise
die Gelder weiter verwendet werden. Benützt sie der Staat, um Eisenbahnen
zu bauen, indem er ikn Auslände Schienen beschafft, so steigert er eventuell die
Steuerfähigkeit ebenso wie das Realeinkommen der Bevölkerung. Das Ziel der
Anleihepolitik ist häufig ebenso wie das der Steuerpolitik, die Realeinkommen
der Bevölkerung zu erhöhen, eventuell in ihrer Zusammensetzung zu ändern und
gleichzeitig das Geldeinkommen zu steigern. Diese verschiedenen Ziele können
aber nur schwer gleichzeitig erreicht werden.
Namentlich in Kriegszeiten greifen die Staaten besonders gern zu auswärtigen
Anleihen, da sie den inländischen Markt am wenigsten stören und vor
allem der ohnehin geldbedürftigen Industrie nicht noch mehr Geld entziehen. Auch
kann eine Anleihe von erheblichem Umfange den Zinsfuß steigern, was ebenfalls
nicht im Interesse des Marktes liegt, der in Kriegszeiten, besonders anfangs,
erheblich unter der Schwierigkeit leidet, Kredit zu erlangen. Die äußere Anleihe
kann dazu dienen, im Inlande Waren zu beschaffen, sie vermehrt dann den Umlauf
im Inlande, sie kann aber auch dazu verwendet werden, im Auslande Waren
zu beschaffen. Selbst wohlhabende Staaten pflegen sich nicht auf das Inland
zu beschränken, sondern Ausländsanleihen aufzunehmen, wie dies z. B. England
1900 in Amerika getan hat. Die Aufnahme einer Anleihe ersetzt in vielen Fällen
gewissermaßen die Emission von Aktien. Die Gelder, welche so außer Landes
fließen, entsprechen den Dividenden, die an auswärtige Aktionäre gezahlt werden.
Die Aufnahme von Anleihen hat zuweilen dieselbe Bedeutung wie die Erhöhung
des Aktienkapitals für eine Aktiengesellschaft. Staaten können nicht gut anderen
Anteile an den Reinerträgen des Staatswesens gewähren, weil das Staatswesen
nicht die Aufgabe hat, ein Maximum an Reinertrag zu erzielen, ganz abgesehen
davon, daß man den Aktionären in diesem Falle keinen Einfluß auf die
Geschäftsführung gewähren könnte. Schon bei den Notenbanken, die Privataktiengesellschaften
sind, muß man fremde Aktionäre ausschalten. Da der
Staat selbst dann keine Aktien emittieren könnte, wenn er diese Absicht hätte,
dienen ihm als Ersatz die Staatsschulden, in erster Reihe die langfristigen oder
ewigen Renten. Können die Obligationenbesitzer den Schuldnerstaat auch nicht
offiziell beeinflussen, so geschieht dies doch indirekt. Der Staat, dem die Gläubiger
angehören, pflegt sich sehr viel um den Schuldner zu kümmern und sudit