Süd-Carolina gezahlt und beträgt dort 1 Dollar, das ist reichlich
das Fünffache des Tariflohnes von Gleiwitz. Wahrscheinlich hat
die Gewerkschaft der Maurer im Staate Süd-Carolina (den wir
nicht ‚durch eigene Anschauung kennenzulernen Gelegenheit
hatten) die Neger strikt organisiert, oder aber sie schliesst sie aus
dem Beruf völlig aus; denn bei freier Negerkonkurrenz müsste
der Lohn dort viel geringer sein. Darauf lassen die Löhne in der
Baumwollindustrie und in den Kohlen- und Erzbergwerken des
Südens schliessen sowie auch der Umstand, dass in der von uns
benutzten und hier wiedergegebenen Tabelle bei den drei typischen
Negerstaaten: Georgien, Süd-Carolina und Alabama, die Hilfs-
arbeiterlöhne fehlen. Wahrscheinlich sind es typische Negerlöhne,
die ausserhalb der gewerkschaftlichen Beeinflussung liegen und
so niedrig sind, dass die staatliche Statistik sie wegliess, um das
Zahlenbild nicht zu verunzieren, oder um nicht für die Gewerk-
schaften unfreiwillige Werbearbeit zu leisten.
Den höchsten Hilfsarbeiterlohn im Maurergewerbe hat inDeutsch-
land Hamburg mit 1,07 Mk., in Amerika St. Louis mit 1,15 Dollar
gleich 4,83 Mk., das ist das Viereinhalbfache. Etwa der niedrigste
Lohn dieser Gruppe in Deutschland (Gleiwitz) ist 0,68 Mk., in
Amerika (Louisville) 0,50 Dollar, das ist etwas mehr als das
Dreifache.
War bisher (abgesehen vom Buchdruckgewerbe) nur von Bau-
arbeitern die Rede, so wird sich zeigen, dass es in anderen Ge-
werben ähnlich steht.
Der tarifliche Mindestlohn der Maschinen- und Werkzeug-
schlosser in allen von uns besuchten Städten lag zwischen 0,90
Dollar als unterster und 1,10 Dollar als oberster Grenze (abgesehen
von Detroit, wo er in der Automobilsaison noch höher ist), beträgt
also im Durchschnitt des nordöstlichen industriellen Landesteiles
etwa 1 Dollar gleich 4,20 Mk. Das ist fast das Viereinhalbfache
des durchschnittlichen Stundenlohnes gelernter deutscher Metall-
arbeiter (0,90 Mk.). Andere Metallarbeiter verdienen in Amerika
noch wesentlich mehr als die Maschinenschlosser, z. B., wie die
Tabelle der Tariflöhne zeigt, die Installateure, die allerdings wieder
dem Baugewerbe zugehören, aber auch die Former und Metallgiesser.
Im Falle der Metallarbeiter ist jedoch ganz nachdrücklich zu
bemerken, dass deren gewerkschaftlich vereinbarte Tariflöhne
nicht, wie die der Buchdrucker und namentlich der Bauhand-
werker, ohne weiteres auch annähernd der ortsübliche Tagelohn
sind. Letztere sind prozentual stärker und durchgreifender organi-
siert und sind dadurch, wie schon gesagt, in der günstigen Lage,
ihr tarifliches Lohnminimum beinahe zu verallgemeinern. Das
trifft für die Metallarbeiter nur in einzelnen, und bei weitem nicht
in den grössten Berufszweigen zu. Ausserdem sind in den Metall-
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