Full text: Die Theorie der Volkswirtschaft

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weniger dringliche Bedürfnisse befriedigt werden. Unsere Tabelle 
wird dann etwa so sein: 
1 II III IV V VI 
10 9 7 5 4 2 
8 6 5 2 
5 3 3 
4 2 2 
3 
2 
Zur Befriedigung des Nahrungsbedürfnisses würde man 
jetzt bloß 360 Tage, der Wohnungs- und Kleidungsbedürfnisse 
240 Tage, für das Bedürfnis nach Schuhwerk 120, für Schmuck 
sachen 60 Tage und für die Befriedigung neuer Bedürf 
nisse ebenfalls 60 Tage brauchen. Mit der Vermehrung 
der Bedürfnisse ging auch eine Neueinteilung der Pro 
duktivkräfte vor sich. So hängt der Grad, in dem man die Be 
dürfnisse befriedigen kann, ausschließlich von der Arbeitsproduk 
tivität ab. Und dieser Grad der Bedürfnisdeckung bestimmt auch 
den „Grenznutzen“ des Getreides, wie auch aller anderen Gegen 
stände. Dank der erhöhten Arbeitsproduktivität sank der Grenz-/ 
nutzen der Gegenstände in unserer Tabelle auf zwei herab. Die 
Dringlichkeit der Bedürfnisse beeinflußt die Einteilung der Pro 
duktivkräfte in der Wirtschaft, aber der relative Wert einzelner 
Produkte wird durch die auf ihre Erzeugung verwendete Arbeit 
bestimmt, da ausschließlich davon die Möglichkeit abhängt, ge 
wisse Produkte zu erhalten und die Dringlichkeit der Bedürfnisse 
abzuschwächen.*) 
Wir haben schon darauf hingewiesen, daß in einer Natural- 
*) Tugan-Baranowsky macht einen interessanten, aber erfolglosen 
Versuch, die Arbeitswerttheorie mit der Theorie des Grenznutzens zu 
vereinigen. Er schreibt: „Nehmen wir an, daß das Bedürfnis I das 
nach Brot und das Bedürfnis V das nach Gold darstellt, so werden wir 
leicht einsehen, warum Gold teurer ist als Getreide. Gewiß ist der 
abstrakte Wert des Brotes größer als der des Goldes, aber auch der 
Vorrat an Gold ist doch viel geringer als der an Getreide“ (Die Grund 
lagen der politischen Ökonomie, S. 63). Daraus folgert der Autor, daß, 
obschon der abstrakte Nutzen des Getreides größer ist als der des 
Goldes, der Grenznutzen, d. h. der konkrete Nutzen jeder Goldeinheit,
	        
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