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II. Buch. Der Güteraustausch.
transportiren lasten, desto weiter kann sich das von einem bestimmten Markte
abhängige Gebiet ausdehnen. Uebrigens muß darauf hingewiesen werden,
daß das Wort ,Markt' auch in dem Sinne gebraucht wird, daß es eine
Menge von Käufern bezeichnet, die untereinander in keiner Verbindung stehen.
Diese Bedeutung hat es in deut von Adam Smith aufgestellten Satze, daß
die Arbeitstheilung in der Ausdehnung des Marktes ihre Grenzen findet.
Ebenso sagt man: das russische und das ungarische Getreide findet seinen
Markt in Westeuropa. Dagegen kann das Wort ,Markt' im erstern Sinne
nur dailn gebraucht werden, wenn eine gewisse Verbindung zwischen den
Käufern besteht, und zwar eine Verbindung, die sich darin äußert, daß die
selben gegenseitig von ihrem Vorgehen Kunde haben.
Das Charakteristische eines solchen Marktes ist die Thatsache, daß ans
demselben zu diesem oder jenem Zeitpunkte für eine jede der verschiedenen
Waren nur ein bestimmter Preis gezahlt wird. So wurde am 8. Juni 1894
an der Wiener Getreidebörse der Hektoliter Weizen (76—81 kg schwer) i £
nach der Qualität mit 6 fl. 90 kr. bis 7 fl. 75 kr. gehandelt, und an dein
nämlichen Tage stellte sich an der Wiener Effectenbörse der Preis für 100 Mt-
Reichswährung in Banknoten auf 62 fl. 27 1 / 2 kr. Geld. Man kann diese
Wahrheit in die Formel bringen: Es kann auf einem und demselben Markte
nicht zwei Preise für die nämliche Ware geben. Es gibt vielmehr nur einen
Preis für eine und dieselbe Ware und dieser ist der Marktpreis.
Wie bildet sich nun der Marktpreis? Dieser Vorgang läßt sich durch
wenige Worte charakterisiren: Der Marktpreis hängt unmittelbar von An
gebot und Nachfrage ab, und wird mittelbar von den Productionskosten der
verschiedenen Güter und von dem Werthe für die Einzelnen bestimmt.
Diese vier den Marktpreis bedingenden Factoren müssen wir jetzt einer
nähern Beleuchtung unterziehen.
Unter Angebot und Nachfrage versteht man dem Nächstliegenden Wort-
sinn gemäß zwei dem Abschluß eines jeden Kaufes vorausgehende Vorgänge-
die Bekundung des Wunsches, ein Gut durch die Hingabe eines andern J 11
erwerben (Nachfrage), und das Ausbieten eines Gutes in der Absicht, dafür
ein anderes in seinen Besitz zu bringen (Angebot).
Wo der Gebrauch des Geldes eingeführt ist, bezeichnet man also fll*
Angebot die Erklärung jemandes, daß er bereit ist, gewisse Güter gegen Geld
hinzugeben, und als Nachfrage den Ausdruck der Absicht, solches dafür
zu zahlen.
Im weitern Sinne sind aber Angebot und Nachfrage nicht als ver
einzelte Vorgänge, die sich zwischen zwei Personen oder doch nur zwischen
einer geringen Anzahl von Personen vollziehen, sondern als Inbegriff der ent
sprechenden Handlungen ganzer Kreise von Menschen aufzufaffen. Die Wir''