Full text : Die Theorie der Volkswirtschaft

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und  wir  stoßen  fortwährend  auf  Versuche,  die  gesellschaftliche
Entwicklung  durch  die  Entwicklung  der  Produktivkräfte  materialistisch ­
  zu  erklären,  ohne  weiter  darauf  einzugehen,  was  unter
den  Produktivkräften  zu  verstehen  sei.  Leider  findet  man  auch
bei  Marx  keine  genaue  Definition  der  „Entwicklung  der  Produktivkräfte“. ­
  Selbstredend  beweist  aber  diese  Lücke  in  der  Marxschen
  Literatur  keineswegs,  daß  die  Marxsche  Theorie  unrichtig ­
  ist.
Die  meisten  Marxisten  verstehen  unter  der  Entwicklung  der
Produktivkräfte  den  technischen  Fortschritt  im  engen  Sinne  des
Wortes,  d.  h.  die  Veränderung  der  Produktionsmittel.  Es  ist
indes  leicht  zu  beweisen,  daß  in  einigen  Perioden  der  wirtschaftlichen ­
  Entwicklung  eine  Änderung  der  sozialen  Verhältnisse  ohne
gleichzeitige  Änderung  der  Produktionstechnik  vor  sich  geht.  So
führt  die  Umwandlung  der  Handwerker  in  Heimarbeiter  zur  vollen ­
  Umwälzung  in  den  sozialen  Verhältnissen,  zur  Entstehung  des
Kapitalismus,  obgleich  die  Technik  der  Produktion  unverändert
bleibt.  Und  wie  keine  Definition  der  Produktivkräfte,  so  finden
wir  auch  keine  Analyse  der  geschichtlichen  Entwicklung  derselben. ­
  Die  letzte  Aufgabe  ist  selbstredend  schwieriger  als
die  erste,  aber  darum  ist  die  Lösung  dieser  letzten  Aufgabe
nicht  entbehrlicher.  Da  die  Entwicklung  der  Produktivkräfte
die  Grundbedingung  der  sozialen  Entwicklung  bildet,  so  ist  die
Kenntnis  der  Entwickelungsgesetze  der  Produktivkräfte  notwendig, ­
  um  die  Geschichte  der  Menschheit,  wenigstens  die  wichtigsten ­
  Erscheinungen  und  Hauptetappen  dieser  Geschichte,  zu  verstehen. ­

Nicht  nur  die  Volkswirte,  sondern  auch  die  Soziologen  müssen ­
  ihre  Hauptaufmerksamkeit  der  Entwicklung  und  Verteilung
der  Produktivkräfte  zuwenden.  Und  doch  haben  sich  auch  die
letzteren  so  wenig  wie  die  Nationalökonomen  damit  beschäftigt,
d.  h.  sie  haben  die  Basis  der  Wirtschaftsordnung  unberücksichtigt
gelassen.
Diese  schmerzhaften,  aber  meiner  tiefsten  Überzeugung  nach  •
gerechten  Vorwürfe  mache  ich  ausschließlich  zu  dem  Zwecke,  um
nicht  nur  die  Gelehrten,  sondern  auch  alle  andern,  die  eine  Gesetz-
            
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