9
mäßigkeit in den sozialen Erscheinungen suchen, dazu zu veranlassen,
in der Richtung zu arbeiten, und auf Grund einer Analyse
der Entwicklung der Produktivkräfte eine Theorie der Volkswirtschaft
aufzubauen. Diese Aufgabe kann nur von dem kollektiven,
sozialen Gedanken gelöst werden; der einzelne Forscher ist
bloß imstande, die ersten Schritte in dieser Richtung zu tun . . .
Ill.
Die moderne komplizierte Volkswirtschaft ist ein Resultat der
Jahrtausende dauernden wirtschaftlichen Entwicklung. Vieles
im heutigen wirtschaftlichen Leben rührt aus den früheren Perioden
her; ebenso wie viele Wirtschaftsformen und Typen. Die
neuen Wirtschaftsformen sind nur ein Resultat der allmählichen
Entwicklung der früheren, schon verschwundenen Formen der
Wirtschaft. Deshalb kann man den Mechanismus der modernen
Wirtschaft nur dann kennen lernen, wenn man den ganzen Prozeß
der ökonomischen Entwicklung der Gesellschaft verfolgt.
Solche Erscheinungen des modernen Wirtschaftslebens, wie
Kapital, Profil, Lohnarbeit usw., waren in der vorkapitalistischen
Epoche unbekannt. Aber auch diese haben sich allmählich aus
den alten Wirtschafts Verhältnissen heraus entwickelt. Die Aufgabe
der Volkswirtschaftslehre besteht nun unter anderem darin,
die Gesetzmäßigkeit der wirtschaftlichen Entwicklung zu entdecken,
d. h. die Ursachen zu finden, warum gewisse Wirtschaftsformen
und Systeme durch andere ersetzt werden.
Das moderne Wirtschaftsleben ist so kompliziert, daß man
ohne Analyse seiner Entwicklung die untergeordneten, weniger
wichtigen Erscheinungen für die Haupterscheinungen ansehen
kann, und, statt einer Vorstellung von der Wirtschaft im ganzen,
erhalten wir eine Schilderung von Verhältnissen, die nur zwischen
einzelnen Wirtschaften bestehen. Nur eine Untersuchung
über die Entstehung des Kapitalismus aus der Naturalwirtschaft
wird uns die eigenartige Gesetzmäßigkeit in der modernen Produktionsanarchie
und die Verteilungsgeselze der Produktivkräfte
unter einzelnen Produktionszweigen zeigen, sowie den Unterschied
zwischen den Erscheinungen hervortreten lassen, die zu