Full text: Die Theorie der Volkswirtschaft

239 
Wirtschaften der Teil des Gesamtproduktes, der den Arbeitern zu 
fällt, um so geringer ist, je höher die Zusammensetzung des Kapitals 
ist. Da die Volkswirtschaft die Summe der einzelnen Wirtschaf 
ten bildet, so bestimmt der Charakter der Konsumtion in einzelnen 
Wirtschaften auch den gesamten nationalen Verbrauch, 
Wir sehen also, daß die Analyse der Privatbudgets die Schluß 
folgerungen bekräftigt, die wir aus der Analyse der Produktion 
in Deutschland gezogen haben: die relative Abnahme der Produk 
tion von Nahrungsmitteln (die Einfuhr eingeschlossen) und die 
relative Zunahme der Produktion von fixem Kapital. Wie in der 
Gesamtwirtschaft, so geht auch in jeder einzelnen Wirtschaft der 
Wirtschafts ver brauch auf Kosten des persönlichen vor sich. 
V. 
Wir haben oben eine starke Zunahme der Erwerbstätigen in 
Produktionszweigen konstatiert, die für die Befriedigung von geisti 
gen und ästhetischen Bedürfnissen arbeiten. Sind nun diese Be 
dürfnisse bei den Kapitalisten oder bei den Arbeitern gestiegen? 
Die Analyse der Arbeiterbudgets beweist, daß die geistigen Be 
dürfnisse der Arbeiterklasse gestiegen sind. 
Die geistigen Bedürfnisse können befriedigt werden, wenn der 
Arbeitslohn ein gewisses Minimum übersteigt. Es müssen zuerst 
die dringlichsten Bedürfnisse nach Nahrung, Kleidung und Woh 
nung gedeckt sein, wenigstens minimal. Der hungernde Arbeiter 
kann natürlich nicht daran denken, seine ästhetischen Bedürfnisse 
zu befriedigen. Sind aber diese notwendigsten Bedürfnisse, wenn 
auch mangelhaft, gedeckt, so beginnt der Arbeiter sich Zeitungen, 
Bücher usw. anzuschaffen. Dabei wachsen gerade diese Ausgaben 
mit der Steigerung des Lohnes nicht nur absolut, sondern auch 
relativ. Nach der Berliner Enquete gibt eine Arbeiterfamilie, die 
aus vier Personen besteht und ein Budget von 900 bis 1100 Mark 
auf weist, 4,3 bis 5 Mark pro Kopf für Bücher und Zeitungen 
aus, während bei einem Budget von 2100 bis 2400 Mark die Aus 
gaben für Bücher und Zeitungen 16,6 bis 18,6 Mark ausmachen. 
Daß eine Arbeiterfamilie, die 2000 Mark verdient, nicht die Not 
wendigkeit fühlt, ihre Nahrung, Wohnung usw. zu verbessern, ist
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.