Full text : Die Theorie der Volkswirtschaft

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würden  sie  eine  höhere  Grasernte  als  beispielsweise  die  in  Sibirien ­
  liefern.  Das  Vieh  könnte  durch  Grasfütterung  erhalten
werden.  Folglich  würde  die  Viehzucht  in  England  mit  ebenso
geringen  Kosten  verbunden  sein,  wie  die  in  Sibirien.  Auf  unbearbeiteten ­
  Feldern  würde  ein  Mensch  in  einem  Tage  durchschnittlich ­
  eine  Deß  jätine  Gras  abmähen  können,  und  das  Einbringen  des
Heues  würde  noch  einen  Tag  beanspruchen.  Wollen  wir  also
annehmen,  daß  die  Heuernte  in  diesem  Falle  zwei  oder  drei
Tage  beansprucht,  so  ist  die  Arbeitsproduktivität,  trotzdem  die
Grasernte  hier  geringer  als  auf  bearbeiteten  und  gedüngten  Feldern ­
  ist,  doch  bedeutender.  In  der  Schweiz,  wo  das  Grasmähen
mehrmals  im  Jahre  vorgenommen  wird,  und  wo  die  Grasernten
auf  den  bewässerten  und  gedüngten  Feldern  sehr  hoch  sind,  ist
die  Arbeitsproduktivität  um  das  Mehrfache  geringer  als  zum  Beispiel ­
  am  Ural;  der  von  einem  Arbeiter  bestellte  Boden  ist  dort  umfangreicher ­
  als  in  der  Schweiz,  Selbstredend  ist  bei  dem  extensiven ­
  Wirtschaftssystem  die  Zahl  der  pro  Viehstück  notwendigen
Morgen  auch  um  einige  Male  größer,  als  bei  einer  intensiven  Wirtschaft. ­
  In  der  Schweiz,  wo  Frühjahrs-,  Sommer-  und  Winterwiesen ­
  vorhanden  sind,  könnte  man  das  Vieh  das  ganze  Jahr
hindurch  auf  den  Feldern  weiden  lassen,  so  daß  die  Arbeit  bei
einem  extensiven  Wirtschaftssystem  bloß  darin  bestände,  das
Vieh  zu  weiden.  Ebenso  wie  in  Argentinien  oder  in  den  asiatischen ­
  Steppen  Rußlands,  würde  man  zur  Gewinnung  des  Futters
fast  keine  Arbeit  aufzuwenden  brauchen.  Die  Produktivität  der
Arbeit  wäre  die  höchste,  aber  die  Viehzahl,  die  man  bei  dieser
Wirtschaftskultur  halten  könnte,  wäre  die  geringste.  Die  Zahl  der
Arbeitskräfte  könnte  man  dabei  um  das  Zehnfache  verringern.
Wir  wollen  jetzt  nicht  auseinandersetzen,  warum  es  für  die
Bevölkerung  vorteilhafter  ist,  weniger  produktiv  zu  arbeiten,  und
ein  höheres  Quantum  von  Produkten  zu  erhalten,  wenn  die  Möglichkeit ­
  geboten  ist,  eine  höhere  Arbeitsproduktivität  zu  erreichen.
Wir  konstatieren  nur  die  Tatsache,  daß  die  Europäer  ebenso  die
„natürliche“  Bodenfruchtbarkeit  ausnützen  könnten,  wie  es  die
Amerikaner  tun,  und  daß  die  letzteren  keine  besonderen  Vorteile
in  dieser  Hinsicht  besitzen.  Würde  man  in  Europa  eine  eben-
            
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