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Teil rv. Girobanknotariat.
sein, der später mit dem àTOpavó|Lioç verschmolzen wurde. Trotz
der Yerschmelzung mag das ¡avripoveiov in Oxyrhynchos, wie Mitteis ^
und Koschaker* wollen, als besondere Geschäftsabteilung
innerhalb des dyopavoiLieiov weiterbestanden haben. Eine endgültige
Lösung dieser Frage läßt sich noch nicht gebend.
Außer ‘ÜTopavopeiov’ und 'pvripoveiov' finden wir noch an
dere Bezeichnungen für die Staatsnotariate, nämlich *àpxeîov’ und
*Tpa(peiov*. Wie jedwedes öffentliche Amt als dpxn^ bezeichnet
wird, so bedeutet àpxeîov den Ort, woselbst jedwedes Amt seinen
Sitz hat, also „Amtsgebäude“, „Amtszimmer“, „Büro“=. Da
her wird das Notariatsamt ^ sowohl in ptolemäischer als in römischer
Zeit gelegentlich dpxeiov genannt, ebenso die ßiß\io0ijKri èTKincreiJuv ’
und andere Behörden.
Wie àpxeîov die Amtsräume bezeichnet, mit dem Neben
sinne, daß dort die dpxn ihren „Sitz“ hat, so bezeichnet ypaqpeîov
ebenfalls nur allgemein die Amtsräume, doch mit dem Neben
sinne, daß dort „geschrieben“ wird; man kann das Wort durch
„Schreibstube“ übersetzend Dieser Nebensinn hat zur Folge, daß
‘ Archiv I S. 191.
> Zschr. d. Sav. Stiftg. 28 (1907) S. 293. In P. Oxy. III 636 (= Stud.
Pal. IV S. 114) ist von einem Testamente und einem Darlehensvertrage die
Rede (um 102 n. Chr.) ; das Testament ist vor dem àyopavojneîov (Z. 9), der Dar
lehensvertrag vor dem pvrmoveiov (Z. 20) aufgesetzt. Diese Geschäftsteilung
spricht für Koschakers Ansicht, falls nicht áyopavopeíov und pvriinoveîov als
völlig gleichbedeutende Begriffe angewendet worden sind.
® Grenfell und Hunt, P. Oxy. II S. 181, neigen zu der Ansicht, daß
dyopavopeiov und javripoveiov „were, so far as the execution and registration
of contracts are concerned, very much the same“.
* In P. Teb. II 397, 19 nennt der ëSiiTnTÙ«; koí àpxmpírraviç sein Amt
eine 'àpxf)’, denn sein Kanzleidiener ist 'CnrripéTTiç àpxfiç’; in demselben
Papyrus (Z. 19) spricht derselbe Beamte zu anderen Beamten: *toîç tù
àpxîa ■apaypaTcuopêvoiç’.
‘ P. Teb. I 5, 263.
« BGU. 998 Kol. II, 7 (101 v. Chr.); BGU. 805, 3 (138 n. Chr.); P. Amh.
II 71,10 (um 179 n. Chr.) usw.
» P. Fior. I 96, 4 (337 n. Chr.); BGU. 50,13 (115 n. Chr.): tropéSai pe
Tfjv ßiß\io0fiKr|v Ka0apàv koI rà àWa àpxía aÚTÓ0ev.
* Wessely, Die Stadt Arsinoe (Sitzungsber. Wien. Akad. 1902) S. 56,
P. Rainer 214: biénovroç rà Ypaqpîa Tf|ç puTpoTróXeiuç koí tôiv xpiüjv pepíòiuv
(Zeit des Commodus). P. Fior. I 57, 76 (um 167 n. Chr.) : €ÍKOvio0évTUJv èv tíü
Trpôç ’A0tiv^ [ypajcpeíiu Ouô NeíXou ¿k KaraXoTeíou t[o0] irpôg biaXorfl
ktX. (vgl. die Berichtigung von Wilcken, Archiv IV S. 442). P. Lond. III S. 92
Nr. 856, 18 (1. Jahrh. n. Chr.) : ypacpeiou öppou |ar)T[po]iTÓX6ujç.