7
mutigen in den Weg, zum guten Teil persönlicher
Natur. Der Abteilungsvorstand wird meistens
nur mit grossem Missbehagen eine gute Idee
eines untergeordneten Herren annehmen, aus der
Befürchtung heraus, dass dieser bei Erfolg der
Vorschläge, ihm vielleicht ein gefährlicher Wettbewerber
werden könnte, der seine Stellung in
Gefahr bringt. Hinzu kommt, dass eine vielleicht
glänzende Verbesserung auch dann wenig Aussicht
hat auf Durchführbarkeit, wenn erhebliche
Aenderungen bestehender Fabrikationseinrichtungen
erforderlich werden könnten. Die bekannte
Folgeerscheinung ist, dass dann der Ingenieur,
der eine gute Sache zu haben glaubt, sich
an eine andere Firma wendet, die diesen Zweig
vielleicht noch nicht oder ungenügend bearbeitet,
und damit das Wettbewerbsverhältnis weiter verschärft.
Die Bedeutung des Qrossbetriebes und der
wirtschaftlichen Vereinigungen der Grossbetriebe,
den Kartellen, Syndikaten und Trusts liegen in
den Sicherheiten, die sie bieten, in dem erhöhten
Schutz für das Kapital, im Vergleich zum freien
Wettbewerb. Diese Sicherheit kann der mittlere
und kleine Betrieb bei den unberechenbaren
Wettbewerbsverhältnissen nicht bieten, dagegen
eröffnen sie starken Persönlichkeiten ein freieres
Betätigungsfeld.
Jedenfalls sind an der Erhaltung des freien
Wettbewerbes noch jene Millionen Menschen sehr
stark interessiert, die sich eine möglichst grosse
Freiheit ihrer Persönlichkeit erhalten wollen.
Und für diese ist es von sehr hoher Bedeutung,
ob nicht jene Kernfrage der geeigneten Durchführbarkeit
der Fortschrittsarbeit im freien
mittleren und kleineren Betrieb befriedigend
lösbar ist.
Der Weg, Studiengesellschaften zu begründen,
ist ja bekannt. So ist vor allem die Studiengesellschaft
für elektrische Schnellbahnen, an der
verschiedene Interessenten beteiligt waren, auch
weitesten Kreisen bekannt geworden. Studiengesellschaften
werden oftmals als Vorgesellschaften
gegründet, wenn es sich um Verwertung
bedeutender Erfindungen handelt. Aber viele
Tausend mittlere, kleine und auch Qrossbetriebe
stehen heute noch in keinerlei Beziehungen
zu Forschungsinstituten. Hier liegt aber noch
ein weites Feld offen. Die nahliegende Form ist ja
die Begründung von Forschungsinstituten im
Fachgebiet. So haben die Pulver- und Munitionsfabriken
ein gemeinsames wissenschaftliches Forschungsinstitut
in ihrer grossen Anstalt in Neubabelsberg
„Centralstellefür wissenschaftlich-technische
Untersuchung G. m. b. H."
Der Bildung von Organisationen im Fachgebiet
stellen sich aber im allgemeinen sehr grosse
Schwierigkeiten in den Weg. Die Interessengegensätze
von kleinen, Mittel- und Grossbetrieben sind
zu gross und fast unüberbrückbar. Dagegen
lassen sich auf freier kapitalistischer Grundlage
Studiengeseilschaften gründen im Anschluss an
bestimmte Fachgebiete und zwar in der Form,
dass wissenschaftlich gebildete und auf dem Forschungsgebiet
praktisch erfahrene Ingenieure sich
mit eignem oder fremdem Kapital kleinere oder
grössere Versuchsanlagen mit Modellschreinerei
einrichten, sich der Untersuchung bestimmter
Maschinengattungen zuwenden, an ihrer Vervollkommnung
arbeiten, Patente und Musterschutzrechte
erwerben und dann Lizenzen vergeben
oder auch die Patente verkaufen. Beteiligen sich
Industrielle, vor allem aber auch grössere Handwerksmeister
aus den betreffenden Fachgebieten
kapitalistisch an solchen Studiengesellschaften,
oder erfolgt die Gründung derselben aus ihren
Kreisen heraus, dann werden sie als die Nächstbeteiligten
auch naturgemäss den grössten Nutzen
hieraus haben. So manche kleine gut eingerichtete
Maschinenfabrik, die sich nicht halten
kann, Hesse sich für derartige Studienzwecke als
Versuchsanstalt verwenden.
Wir können ja nicht in die Zukunft sehen und
nichts prophezeien, welche Umwälzungen aus den
wirksamen Kräften auf technischem Gebiet sich
wirtschaftlich ergeben. Aber darüber wird sich
gewiss jeder Industrielle klar sein, dass auf dem
hier besprochenen Gebiet zum grössten Teil eine
ausserordentliche Rückständigkeit tatsächlich
herrscht, und sehr bald ein Wandel erfolgen wird
und erfolgen muss, wenn der Industrielle Mittelstand
und das Handwerk sich erhalten wollen-Die
Exportvereinigung im Fachgebiet
B ei der Vergebung von Vertretungen achtet
bekanntlich heute der Fabrikant streng
darauf, dass der Bewerber sich ausdrücklich
verpflichtet, keine Konkurrenzfirma gleichzeitig
zu vertreten. Die Folge ist, dass Ingenieure,
die ins Ausland gehen, sich Vertretungen
von Firmen verschiedenster Fachgebiete
verschaffen müssen. In Rücksicht auf
die sehr erheblichen Kosten, die die Kundenwerbung
im Ausland erfordert, ist der Auslandsvertreter
genötigt, sich die Vertretung einer
ziemlich grossen Zahl von Firmen zu sichern,
um dadurch ausreichende Geldunterstützung zu
finden. So bestehen im Ausland Ingenieurbüros,
die dreissig und mehr Firmen verschiedener Fachgebiete
vertreten. Bei den Exporthäusern liegen
die Verhältnisse bekanntlich ähnlich, sie vertreten
teilweise eine erstaunlich grosse Zahl von Firmen.
Dass dieses System erhebliche Mängel besitzt,
ist ganz offensichtlich, denn es gibt gar keinen