Full text : Zum Kampf um die wirtschaftliche Selbständigkeit des Klein- und Mittelbetriebes

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mutigen  in  den  Weg,  zum  guten  Teil  persönlicher
Natur.  Der  Abteilungsvorstand  wird  meistens
nur  mit  grossem  Missbehagen  eine  gute  Idee
eines  untergeordneten  Herren  annehmen,  aus  der
Befürchtung  heraus,  dass  dieser  bei  Erfolg  der
Vorschläge,  ihm  vielleicht  ein  gefährlicher  Wettbewerber ­
  werden  könnte,  der  seine  Stellung  in
Gefahr  bringt.  Hinzu  kommt,  dass  eine  vielleicht
glänzende  Verbesserung  auch  dann  wenig  Aussicht ­
  hat  auf  Durchführbarkeit,  wenn  erhebliche
Aenderungen  bestehender  Fabrikationseinrichtungen ­
  erforderlich  werden  könnten.  Die  bekannte ­
  Folgeerscheinung  ist,  dass  dann  der  Ingenieur, ­
  der  eine  gute  Sache  zu  haben  glaubt,  sich
an  eine  andere  Firma  wendet,  die  diesen  Zweig
vielleicht  noch  nicht  oder  ungenügend  bearbeitet,
und  damit  das  Wettbewerbsverhältnis  weiter  verschärft. ­

Die  Bedeutung  des  Qrossbetriebes  und  der
wirtschaftlichen  Vereinigungen  der  Grossbetriebe,
den  Kartellen,  Syndikaten  und  Trusts  liegen  in
den  Sicherheiten,  die  sie  bieten,  in  dem  erhöhten
Schutz  für  das  Kapital,  im  Vergleich  zum  freien
Wettbewerb.  Diese  Sicherheit  kann  der  mittlere
und  kleine  Betrieb  bei  den  unberechenbaren
Wettbewerbsverhältnissen  nicht  bieten,  dagegen
eröffnen  sie  starken  Persönlichkeiten  ein  freieres
Betätigungsfeld.
Jedenfalls  sind  an  der  Erhaltung  des  freien
Wettbewerbes  noch  jene  Millionen  Menschen  sehr
stark  interessiert,  die  sich  eine  möglichst  grosse
Freiheit  ihrer  Persönlichkeit  erhalten  wollen.
Und  für  diese  ist  es  von  sehr  hoher  Bedeutung,
ob  nicht  jene  Kernfrage  der  geeigneten  Durchführbarkeit ­
  der  Fortschrittsarbeit  im  freien
mittleren  und  kleineren  Betrieb  befriedigend
lösbar  ist.
Der  Weg,  Studiengesellschaften  zu  begründen,
ist  ja  bekannt.  So  ist  vor  allem  die  Studiengesellschaft ­
  für  elektrische  Schnellbahnen,  an  der
verschiedene  Interessenten  beteiligt  waren,  auch
weitesten  Kreisen  bekannt  geworden.  Studiengesellschaften ­
  werden  oftmals  als  Vorgesellschaften ­
  gegründet,  wenn  es  sich  um  Verwertung
bedeutender  Erfindungen  handelt.  Aber  viele
Tausend  mittlere,  kleine  und  auch  Qrossbetriebe

stehen  heute  noch  in  keinerlei  Beziehungen
zu  Forschungsinstituten.  Hier  liegt  aber  noch
ein  weites  Feld  offen.  Die  nahliegende  Form  ist  ja
die  Begründung  von  Forschungsinstituten  im
Fachgebiet.  So  haben  die  Pulver-  und  Munitionsfabriken ­
  ein  gemeinsames  wissenschaftliches  Forschungsinstitut ­
  in  ihrer  grossen  Anstalt  in  Neubabelsberg ­
  „Centralstellefür  wissenschaftlich-technische ­
  Untersuchung  G.  m.  b.  H."
Der  Bildung  von  Organisationen  im  Fachgebiet
stellen  sich  aber  im  allgemeinen  sehr  grosse
Schwierigkeiten  in  den  Weg.  Die  Interessengegensätze ­
  von  kleinen,  Mittel-  und  Grossbetrieben  sind
zu  gross  und  fast  unüberbrückbar.  Dagegen
lassen  sich  auf  freier  kapitalistischer  Grundlage
Studiengeseilschaften  gründen  im  Anschluss  an
bestimmte  Fachgebiete  und  zwar  in  der  Form,
dass  wissenschaftlich  gebildete  und  auf  dem  Forschungsgebiet ­
  praktisch  erfahrene  Ingenieure  sich
mit  eignem  oder  fremdem  Kapital  kleinere  oder
grössere  Versuchsanlagen  mit  Modellschreinerei
einrichten,  sich  der  Untersuchung  bestimmter
Maschinengattungen  zuwenden,  an  ihrer  Vervollkommnung ­
  arbeiten,  Patente  und  Musterschutzrechte ­
  erwerben  und  dann  Lizenzen  vergeben
oder  auch  die  Patente  verkaufen.  Beteiligen  sich
Industrielle,  vor  allem  aber  auch  grössere  Handwerksmeister ­
  aus  den  betreffenden  Fachgebieten
kapitalistisch  an  solchen  Studiengesellschaften,
oder  erfolgt  die  Gründung  derselben  aus  ihren
Kreisen  heraus,  dann  werden  sie  als  die  Nächstbeteiligten ­
  auch  naturgemäss  den  grössten  Nutzen
hieraus  haben.  So  manche  kleine  gut  eingerichtete ­
  Maschinenfabrik,  die  sich  nicht  halten
kann,  Hesse  sich  für  derartige  Studienzwecke  als
Versuchsanstalt  verwenden.
Wir  können  ja  nicht  in  die  Zukunft  sehen  und
nichts  prophezeien,  welche  Umwälzungen  aus  den
wirksamen  Kräften  auf  technischem  Gebiet  sich
wirtschaftlich  ergeben.  Aber  darüber  wird  sich
gewiss  jeder  Industrielle  klar  sein,  dass  auf  dem
hier  besprochenen  Gebiet  zum  grössten  Teil  eine
ausserordentliche  Rückständigkeit  tatsächlich
herrscht,  und  sehr  bald  ein  Wandel  erfolgen  wird
und  erfolgen  muss,  wenn  der  Industrielle  Mittelstand ­
  und  das  Handwerk  sich  erhalten  wollen-Die

  Exportvereinigung  im  Fachgebiet

B ei  der  Vergebung  von  Vertretungen  achtet
bekanntlich  heute  der  Fabrikant  streng
darauf,  dass  der  Bewerber  sich  ausdrücklich ­
  verpflichtet,  keine  Konkurrenzfirma  gleichzeitig ­
  zu  vertreten.  Die  Folge  ist,  dass  Ingenieure, ­
  die  ins  Ausland  gehen,  sich  Vertretungen ­
  von  Firmen  verschiedenster  Fachgebiete ­
  verschaffen  müssen.  In  Rücksicht  auf
die  sehr  erheblichen  Kosten,  die  die  Kundenwerbung ­
  im  Ausland  erfordert,  ist  der  Auslandsvertreter ­

  genötigt,  sich  die  Vertretung  einer
ziemlich  grossen  Zahl  von  Firmen  zu  sichern,
um  dadurch  ausreichende  Geldunterstützung  zu
finden.  So  bestehen  im  Ausland  Ingenieurbüros,
die  dreissig  und  mehr  Firmen  verschiedener  Fachgebiete ­
  vertreten.  Bei  den  Exporthäusern  liegen
die  Verhältnisse  bekanntlich  ähnlich,  sie  vertreten
teilweise  eine  erstaunlich  grosse  Zahl  von  Firmen.
Dass  dieses  System  erhebliche  Mängel  besitzt,
ist  ganz  offensichtlich,  denn  es  gibt  gar  keinen
            
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