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Ingenieur, der auf derartig vielen Gebieten sach
verständig sein kann. Der Stand der Technik in
den einzelnen Fachgebieten ist heute derartig hoch,
dass schon recht reiche Kenntnisse und Erfah
rungen notwendig sind, um auch nur in einem
Fachgebiet auf der Höhe zu sein und zu bleiben.
Aus Anfragen der Exporthäuser an Maschinen
fabriken ergibt sich häufig, dass der anfragende
Exporteur selbst sich nicht die geringste Vor
stellung von dem machen kann, was eigentlich
von dem fraglichen Interessenten benötigt wird.
Die Folge ist dann, dass Anlagen geliefert werden,
die zufolge ungenauer Aufnahmen an Ort und
Stelle nicht befriedigen und still gelegt werden,
weil die Besitzer nicht in ihnen ihre Rechnung
finden können. Andere, die vielleicht auch Geld
für derartige Anlagen hergegeben haben, sind
dann entmutigt und lassen die Hände von tech
nischen und industriellen Unternehmungen selbst
in aussichtsreichen Gebieten fort.
Der Mangel an sachverständigen Vertretern
hat ja bekanntlich die Grossindustrie veranlasst,
eigene Vertreter ins Ausland zu senden und Filial-
büros, wo irgendmöglich, selbst einzurichten. Sie
machen sich von den Exporteuren ganz unab
hängig. Die Unterhaltung eigner Auslandsver
tretungen mit Fachingenieuren und kaufmän
nischem Personal erfordert aber so grosse Geld
mittel, dass schon den mittleren Fabrikanten dieser
aussichtsreichste Weg verschlossen wird. Sie
bleiben auf die Exporthäuser angewiesen, die
aber leider in aller erster Linie den Preis ent
scheiden lassen und oft nicht in der Lage sind,
überhaupt zu prüfen, welches Angebot nun die
bestgeeignete Ausführung wirklich enthält.
Von besonderer Bedeutung für die mittleren
Firmen, die zum Export streben, ist der Zu
sammenschluss mehrerer Fabriken zur Export
vereinigung im Fachgebiet als Organisation, die
sich die Aufgabe stellt, die Aussendung von Fach
ingenieuren in das Ausland zu ermöglichen.
Diese erhalten dann die erforderliche Unter
stützung, die Orientierung über die Kreditver
hältnisse von interessierten Export- und Import
häusern, die auch die Ueberschreibung der Auf
träge und das Delcredere übernehmen. Die von
der Exportvereinigung des einzelnen Fachgebietes
ausgesandten Ingenieure sollen sich also gewisser-
massen als beratende Ingenieure für die an
sässigen Exportfirmen betätigen, die technische
Pionierarbeit leisten, um die Entwicklungsmög
lichkeit industrieller Unternehmungen vom fach
technischen Standpunkt zu erkunden, die Betriebs
verhältnisse zu studieren und bei Montagen und
Inbetriebsetzungen den Unternehmern an Hand
zu gehen, vor allem auch bei Betriebsstörungen
in nicht zu langer Zeit eingreifen zu können, um
das Stillegen von Werken zufolge ihrer Hilflosig
keit zu verhüten.
Es handelt sich also nicht um die Ausschaltung
der Exportfirmen, sondern im Gegenteil um die
Aufgabe, die Exporteure, auf welche die mittleren
und kleinen Firmen mangels Geld- und Export
fachkenntnissen angewiesen sind und bleiben, bei
der ausserordentlichen Verschiedenartigkeit
unserer industriellen Produktion auch für die
Vertretung einzelner Fachgruppen so leistung
fähig zu machen, dass mittlere deutsche Firmen
auch gegen finanziell stärkere und mit technischen
Mitteln bislang besser ausgerüstete ausländische
Konkurrenz sich exportfähig machen und so er
halten können.
Grossfirmen, die im Konkurrenzverhältnis
stehen, zu einer Verständigung zu bringen, ist be
kanntlich besonders im Maschinenbau ausseror
dentlich schwer, fast unmöglich, es sei denn, dass
investiertes Grosskapital zu seinem eignen Schutz
einen Druck ausübt, um das Risiko zu beschränken.
Es erfolgen dann Vertrustungen, wie wir sie ja
auch im Qrossmaschinenbau kennen.
Jede am Export bereits stärker beteiligte Gross
firma fürchtet bei einem Zusammenschluss, dass
ihre Entwicklungsmöglickheiten vielleicht be
schränkt werden könnten, abgesehen von dem
Ehrgeiz der leitenden Persönlichkeiten. Die
Grossen wollen doch noch grösser werden! Man
fühlt sich da allein schon am stärksten, weil man
auf den Konkurrenten keine Rücksicht zu nehmen
braucht, sich keine Dispositionsbeschränkungen
auferlegen lassen muss. Anders ist es dagegen
bei den mittleren Fabrikanten, die vielleicht hier
und da mal Ansätze für eine Entwicklung des
Exports gemacht haben oder erst im Anfang
stehen. Um eine intensive und planmässige Be
arbeitung ihres Exportes vornehmen zu können,
dazu fehlt es ihnen an Personal, Zeit und Hilfs
mitteln. Sie sind aber andererseis doch viel
leichter als Grossbetriebe in der Lage, sich in
einen Organisationsplan für die Aufteilung des
Weltmarktgeschäftes zu fügen und für die Fa
brikation bestimmter Maschinen des Fachgebietes
und bestimmter Maschinengrössen, entsprechend
dem Charakter ihres Betriebes, sich rationell ein
zurichten, da sie ja erst in eine wirkliche Orga
nisation hineinwachsen sollen und es auch noch
können, ohne sich gegenseitig bereits bei Beginn
durch vorhandene Beziehungen ins Gehege zu
kommen. Was nun das Offertwesen anbetrifft,
so sind heute die für den Export besonders ein
gerichteten Grossbetriebe derart vorbereitet, dass
sie in der Lage sind, die für das Ausland be
stimmten Angebote in Bezug auf die Sprache, die
Masse und die Aufmachung so auszurüsten, dass
sie nicht nur von den Empfängern auch wirklich
gelesen und verstanden werden können, sondern
auch ausländischen Konkurrenzangeboten in jeder
Weise ebenbürtig, ja oft noch überlegen sind
durch gründlichere und sorgfältigere Bearbeitung
und geschmackvollere Aufmachung. Anders liegt
es bei den mittleren Firmen, die für den Export
meistens nicht mehr haben, als einen schlecht
übersetzten Prospekt, während fremdsprachliche