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Stelle selbstverantwortlicher, bodenständiger,
selbstbewusster Burger, die sich nach eigener
Veranlagung frei entwickeln und auswirken, sind
abhängige, furchterfüllte Beamte getreten, die
ihre wirtschaftliche Selbständigkeit eingetauscht
haben gegen eine Entlastung von finanziellen
Sorgen, derart, dass ihnen Ende jeden Monats
oder bis zum Ende einer Vertragszeit ein Einkommen
in bestimmter Höhe garantiert wird,
ohne jedoch, dass ihnen andererseits die Möglichkeit
gegeben ist, durch ihre Arbeit eine
Garantie auf Existenz, wie beim Staats- oder
Gemeindebeamten erwerben zu können. Der
unselbständige Mittelstand steht beständig vor
dem Gespenst der Kündigung und Kündbarkeit,
die ohne Angabe von Grund und Ursache
stets erfolgen kann, sei es zufolge vorgeschrittenen
Alters, sei es aus politischen, technischen oder
wirtschaftlichen Motiven usw. Der Qrossbetrieb
ist in einer Zeit, in der es notwendig geworden
ist, Erzeugnisse zu liefern, die eine Konzentration
von zahlreichen Kräften und Kapital erfordern,
teilweise zweifellos eine Notwendigkeit. Man
kann grosse Schiffe, grosse Maschinen, Verkehrsunternehmungen
usw. im Kleinbetrieb nicht herstellen
oder betreiben. Aus dieser tatsächlich
notwendigen, technisch begründeten Existenz des
Grossbetriebes hat sich aber sehr bald eine
ausserordentliche Ueberspannung durch die
eingetretene Ueberproduktion und Konzentration
von Anlage suchendem Kapital ergeben.
Das Kapital saugt Fabrikationszweige auf, die
weder aus technischen noch wirtschaftlichen
Gründen im Grossbetrieb oder Riesenbetrieb
betrieben werden müssen, sondern nur deshalb,
weil im Grossbetriebe die Möglichkeit einer
höherer Rente und der Monopolisierung
gegeben ist, und aus dieser sich enorme
Gewinne erzielen lassen.
Hinzu kommt die psychologische und materialistische
Erscheinung des Gelderwerbswahnsinnes.
Wir leben in der Zeit des Rekordwüten
s, und dieses Rekordwüten, diese pathologische
Erscheinung, hat es dahin gebracht,
dass zahlreiche führende Köpfe ihre Lebensaufgabe
nur noch darin erblicken, wie sie die
Zahl der Arbeiter ihrer Betriebe vermehren,
wie sie aus grossen Gebilden immer noch
grössere schaffen können. Und das Volk ist infiziert,
man freut sich tatsächlich, dass ein Warenhaus
statt 10 000 Menschen jetzt 15 000 bereits
beschäftigt, wenn die Zahl der Fabrikbetriebe,
die 30 000 Menschen beschäftigen, wieder um
zwei oder drei gestiegen ist usw. Dieses Rekordwüten
ist eine Erscheinung unserer Zeit, ebenso
auf dem Gebiet des Sportes, nie sonst irgendwo.
Der Staat unterstützt diese einseitige Entwicklung
in jeder Weise, indem er Männer, die
diese wirtschaftlich krankhafte Vergrösserungssucht
auszeichnet, dafür noch mit Orden und
Titeln ehrt, statt sie zu zwingen, ihre überragende
Intelligenz nach anderen Richtungen
zu konzentrieren, und zwar nach dem Ziel, ihre
organisatorischen Kräfte dienstbar zu machen,
um den existenzfähigen Mittelstandsbetrieb
durch Ausbau von Organisationen weltmarktfähig
zu machen. Wir stehen hier vor der Erscheinung,
dass ungesunde, unnatürliche Zustände
durch das Verfolgen einseitiger Richtungen
sich ergeben, ohne dass der Staat eine
Richtungsänderung in der Betätigung erzwingt.
Im Gegenteil arbeitet der Staat heute
vorwiegend mit den Leuten zusammen, die durch
ihre Riesengeldmittel ihm gefällig sein können.
Er hat ja am Mittelstand kein Interesse, denn dort
können einzelne Personen die Mittel nicht hergeben,
die für diese oder jene Sonderzwecke benötigt
werden. Das können aber die grosskapitalistischen
Kreise.
Wir stehen vor der Erscheinung, dass der
Staat, der mittelstandsfreundlich sein will, mit
ansieht, wie die Grossbanken das Land mit
Bequemlichkeiten bietenden Depositenkassen
überziehen, um mit dem Gelde des Mittelstandes,
das sie an sich ziehen, Grossbetriebe
zu finanzieren, seien es die grossen Warenhäuser,
seien es Grundstückspekulationsgesellschaften,
Fusionen usw. Das hat zur Folge, dass man
den Mittelstand mit seinem eigenen Gelde
totmacht.
Der Mittelstand ist nicht dem Untergang geweiht,
er ist lebensfähig, aber er wird mit Gewalt
totgeschlagen durch die Riesenmacht des
Kapitals, deren er allein sich unmöglich erwehren
kann, und durch die Unterstützung, die
es bei der Regierung dazu noch findet. Wir
befinden uns durch die Fortschritte der Technik
allerdings in einer Uebergangszeit, in einer
wirtschaftlichen und sozialen Revolution, es
ringen so enorm viele Kräfte um ihre Existenz
und ihren Platz an der Sonne, dass es schwer ist,
den Kristallisationsprozess zu erkennen. Es ist
aber wahrscheinlich, dass wir zu einer gemischten
Form des Produktionsverfahrens kommen
können und vielleicht kommen werden, zum
Staats-, Gross- und Mittelbetrieb, allerdings nur
dann, wenn der jetzigen Vergewaltigung
durch das Qrosskapital Einhalt getan wird. Oder
will man behaupten, dass der jetzige Ausscheidungsprozess
natürlich, gesund und berechtigt
ist, dass derjenige, der sich auf mehr oder
weniger einwandfreie Weise ein Riesenvermögen
schafft und dieses und die Macht, die
es gibt, nun dazu benutzt, mit diesem Machtmittel,
ohne Bestehen wirtschaftlicher
oder technischer Notwendigkeiten, selbstständige
Betriebe aufzusaugen oder zu vernichten,
indem er an die Grossbetriebe immer neue Betriebe,
die auch selbständig weiter lebensfähig
sind, angliedert, dann haben allerdings diese
Leute recht. Ein Napoleon hat sich auch das
Recht angemasst, ganz Europa zu unterjochen,