Full text: Bremens Warenhandel und seine Stellung in der Weltwirtschaft

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nach England erlaubte. Durch sie erst wurde England zu weiterem 
Kampfe in den Stand gesetzt, und alle erreichten Vorteile waren 
dadurch wieder verloren. Nur langsam konnte sich nach Auf 
hebung der Sperre der Handel der deutschen Nordseeküste wieder 
heben. 
Dazu kam, daß die Technik die überlieferten Formen über 
den Haufen warf und Handel und Industrie auf neue Grundlagen 
stellte: der Menschengeist hatte sich die Naturkraft des Dampfes 
dienstbar gemacht. Um 1820 durchfurchte, ein Merkstein in der 
Geschichte der Menschheit, das erste Dampfschiff den Ozean, und 
die Maschinenkraft vertausendfachte die Gütererzeugung. Wieder 
aber war es England, das den Hauptvorteil daraus zog. Der zeit 
liche Vorsprung, den es hatte, ließ es damals zur Weltmacht 
werden. Seine Flotte war die ausschließliche Vermittlerin zwischen 
alter und neuer Welt. 
Erst um die Mitte des Jahrhunderts gelang es nach manchen 
herben Fehlschlägen und Verlusten an Geld und Mühe, eine regel 
mäßige Dampferverbindung auch zwischen Bremen und dem 
Haupthafen der neuen Welt zustande zu bringen. Von Bedeutung 
konnte sie aber erst werden, als in unserem Vaterlande die letzten 
Schranken fielen, als im April 1868 Süddeutschland der nord 
deutschen Zollunion beitrat und kurz darauf das neue Reich er 
stand, als Bremen zum Vermittler zwischen dem Deutschen 
Reiche und den überseeischen Ländern werden konnte. An 
diesem zweiten wichtigen Wendepunkte der Handelsgeschichte 
Bremens setzt die vorliegende Untersuchung ein. 
Von jetzt an überstürzen sich die Ereignisse in schneller 
Folge. Das weittragendste sei gleich hier erwähnt, die 1894 vor 
läufig beendigte Vertiefung und Begradigung der Unter 
weser bis Bremen-Stadt. 
Der stark und unablässig steigende Warenaustausch mit dem 
Auslande ließ sich nicht mehr in den bis dahin gebräuchlichen 
kleinen Fahrzeugen bewältigen. Er verlangte gebieterisch eine 
größere Schnelligkeit in der Beförderung und mehr Schiffsräumte. 
Die Technik schuf beides, und die Zeit der »Ozeanriesen« begann. 
Wieder geriet Bremen in Nachteil gegen rivalisierende Hafen 
plätze, denn für die tiefgehenden Seeschiffe war es nicht erreich 
bar. Die Weser befand sich damals in einem überaus traurigen 
Zustand der Verwilderung und Versandung. Von zahllosen Sand 
barren durchsetzt, strömte der Fluß in ungeregeltem Läufe dahin, 
nur Seeschiffen kleinster Größe einen gefährlichen Weg zur Stadt
	        
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