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Arbeitslohn und Kapital.
Buch I.
wenige unter ihnen, welche erhebliche Beträge von Kapital besitzen und
verwenden.
Gleicherweise würde es ein Irrtum sein, die einfachen Methoden
der Produktion und des Tausches, zu welchen man in neuen Ländern
greift, bloß einem Mangel an Kapital zuzuschreiben. Diese wenig
Kapital erfordernden Methoden sind an sich roh und wenig wirksam,
aber in Anbetracht der Verhältnisse solcher Länder werden sie sich in
der Tat als die wirksamsten herausstellen. Line mit allen neuesten Ver
besserungen ausgestattete Fabrik ist das wirksamste Instrument, das
bis jetzt ersonnen worden ist, um lVolle oder Baumwolle in Tuch umzu
wandeln, aber nur da, wo große Mengen davon gemacht werden. Das
für ein kleines Dorf nötige Tuch kann mit weit wenigerArheit durch Spinn
rad und Bandstuhl hergestellt werden. Eine Schnellpresse macht auf
jeden dabei beschäftigten Mann viele tausend Abdrücke, während aus
eine Stanhope- oder Franklin-Presse ein Mann mit seinem Burschen
nur etwa hundert zu drucken imstande ist; aber für die kleine Auflage
des Landstadt-Blättchens ist die altmodische Presse bei weitem die wirk
samste. Um hin oder wieder zwei oder drei Passagiere zu fahren, jist
der Kahn ein dienlicheres Fahrzeug als das Damxfboot; einige Sack
Korn können mit weniger Aufwand von Arbeit durch ein Maultier
transportiert werden als durch einen Lisenbahnzug; ein großes Waren
lager in einem Kreuzwegladen der Hinterwäldler zu errichten, wäre
nur weggeworfenes Geld. Und im allgemeinen wird man finden, daß
die unter den weitläufigen Bevölkerungen neuer Länder üblichen
rohen Vorrichtungen für Produktion und Austausch nicht so sehr von dem
Mangel an Kapital herrühren als von der Unfähigkeit, dasselbe vorteil
haft zu verwenden.
Ebenso wie man in einen Eimer nie mehr Wasser gießen kann,
als einen Eimer voll, ebenso wird nie ein größerer Betrag von Gütern
als Kapital benutzt werden, als unter allen obwaltenden Umständen —>
Intelligenz, Gewohnheit, Sicherheit, Dichtigkeit der Bevölkerung —
dem Volke dient. Und ich bin geneigt zu glauben, daß in der Regel
dieser Betrag vorhanden ist —> daß der soziale Organismus den not
wendigen Kapitalbetrag, sozusagen, absondert, gerade wie der mensch
liche Organismus in gesundem Zustande die erforderliche Menge von
Fett absondert.
Ob nun aber der Kapitalbetrag je die Ergiebigkeit des Gewerb-
fleißes beschränkt und so ein Maximum festsetzt, welches der Arbeits
lohn nicht überschreiten kann, es ist augenscheinlich, daß die Armut
der Massen in den zivilisierten Ländern nicht von der Knappheit des
Kapitals herrührt. Denn der Arbeitslohn erreicht nicht nur nirgends
die durch die Ergiebigkeit des Gewerbfleißes gezogene Grenze, sondern
der Lohn ist auch relativ am niedrigsten, wo am meisten Kapital
vorhanden ist. Die Werkzeuge und Maschinen der Produktion sind
in den vorgeschrittensten Ländern offenbar der von ihnen gemachten