Full text: Sozialismus und Regierung

Beachtung. Der demokratische Staat, d. h. der Staat, wo die Demo 
kratie denkt und wählt, strebt zur Internationalität. Der zur Macht 
gelangte Arbeiter, wenn er sich selbst überlassen bleibt oder von gleich- 
gesinnten Männern geführt wird, hat keine militaristischen Aspira 
tionen. Wohl kann er durch Invasionsfabeln erschreckt werden, aber 
nie kann er dergleichen selbst erfinden. Das Jingofieber kann ihn er 
greifen, doch die Agitation muß von draußen an ihn herantreten. Von 
Natur schenkt er den Mitteln und den Gedanken des Friedens Gehör. 
Seine demokratischen Beziehungen werden inniger. Die demokrati 
schen Organisationen, zu denen er gehört, wie Gewerkschaften, Ge 
nossenschaften und Arbeiterpartei, beraten sich auf internationalen 
Kongressen gemeinsam mit ausländischen Organisationen. So unter 
liegt er mehr und mehr internationalen Einflüssen, die allerdings noch 
zu schwach sind, Schreckschüsse zu verhüten, die aber in Zeiten nor 
maler, ruhiger nationaler Entwicklung schweigend seinen Geist for 
men. Lange Zeit mag er noch für die Landesverteidigung Vorsichts 
maßregeln ergreifen müssen, aber die Einrichtung der stehenden 
Armeen wird es unter dem Sozialismus nicht geben. Es wird vielleicht 
eine Art internationaler Sicherheitsdienst, der sich wahrscheinlich 
unter der Leitung eines internationalen Schiedsgerichtes und Gerichts 
hofes befinden wird, eingeführt werden. 
Der Staat bildet sich zum Willen einer sich stetig vergrößernden 
Gemeinschaft aus. Die Familie, der Stamm, die Nation und die Kon 
föderationen sind die Marksteine seines Vordringens. Die Nationali 
täten und historischen Grenzen werden bestehen bleiben. Es wäre ein 
Unglück von unaussprechlicher Größe, wenn das nationale Erbe in 
einer ausdruckslosen internationalen Gleichartigkeit unterginge. Aber 
die Stunde mag einst schlagen, wo die ganze Menschheit den Ruhm der 
Thermopylen und von Bannockburn, die Verwandtschaft mit Homer, 
Goethe und Shakespeare für sich in Anspruch nehmen wird. Sie als 
ein gemeinsames Erbteil zu betrachten, wird dann alle Menschen ge 
lehrt werden. Dies ist jedoch noch in weiter Ferne, auch ist nichts 
gewisser, als daß der Impuls, den die nationale Vererbung dem person 
ellen Charakter verleiht, noch nicht erlahmt ist. Das Übel der Natio 
nalität ist gegenwärtig der Militarismus, der die Existenz fremder 
Republik genau so wie in einer Monarchie geltend machen könne. Menger glaubt, 
daß eine Monarchie in den deutschen Ländern die Errichtung der sozialistischen 
Ordnung „vielleicht selbst für eine unbegrenzte Periode" überleben würde. 
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