Full text : Sozialismus und Regierung

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Sozialisthoch  etwas  ausführlicher  mit  dieser  Institution  zu  befassen.
Die  fundamentale  Auffassung  des  Sozialismus  ist,  daß  eine  Arbeit,  an
der  mehrere  Personen  zusammen  wirken,  organisiert  sein  soll,  und  daß,
wenn  es  Verhältnisse  einer  Person  oder  einer  Klasse  gestatten,  eine  andere
Person  oder  Klasse  auszunutzen,  diese  Verhältnisse  im  Interesse  eines
j  eden  von  allen  gemeinsam  kontrolliert  werden  sollen.  Nun  bedeuten  aber
die  Familienbeziehungen  ohne  die  Familienverpflichtungen  einfach  die
Befreiung  des  Mannes  zu  einem  Preise,  der  die  Sklaverei  der  Frau  einschließt; ­
  eine  Rückkehr  zu  jener  primitiven  Stufe  der  Familie,  auf  der
die  Frau  das  Feuer  unterhalten  mußte,  die  Säuglinge  ernährte  und  das
Feld  bebaute,  während  der  Mann  gemäß  seiner  Natur  weit  und  breit
umherstreifte.  Die  Familienbande,  die  in  ihren  Anfängen  in  den  Herzen ­
  der  Familiengründer  von  stark  persönlicher  Natur  gewesen  sind,
schaffen  Bedingungen  —  die  Freiheitsbeschränkung  der  Frau  und  folglich ­
  ihre  Unterwerfung  unter  den  Willen  des  Mannes  —,  die  nach  dem
Eingreifen  des  Staates  rufen,  wovon  der  Sozialist  vor  allen  anderen
Denkern  ausgehen  muß.  Die  „freie“  Liebe  ist  so  wenig  zu  ihrem  irreführenden ­
  Adjektiv  berechtigt,  wie  der  „freie“  Vertrag,  weil  es  für  die
Männer  leichter  ist,  die  Frauen  zu  verlassen,  als  umgekehrt.  Es  gibt
keine  Gleichheit,  auf  die  diese  Art  von  Freiheit  gegründet  werden  kann.
Die  Geschlechter  können  niemals  in  allen  Punkten  gleich  sein.  Wir
brauchen  hierfür  keine  Gründe  anzuführen,  da  die  Natur  durch  Beweisgründe ­
  unverrückt  bleibt.  Der  Staat  muß  Garantien  schaffen,  die
erstens  die  Frau  vor  der  niedrigsten  Form  des  Wettbewerbes  bewahren ­
  und  zweitens  ihn  selbst  vor  Wirkungen  ausschweifender  Lebensführung ­
  und  Übertreibungen  des  sexuellen  Trieblebens  schützen.  Daß
der  Staat  für  alle  Findlinge  die  Verantwortung  übernehmen  und  die
Tore  seiner  Einrichtungen  für  alle  öffnen  sollte,  die  man  ihm  zuschiebt,
ist  zu  spaßhaft,  diskutiert  zu  werden.
Zweifellos  hat  der  Anblick  der  vielen  gräßlichen  verunglückten  Ehebündnisse ­
  der  modernen  Zeit  viele  Leute  —  sowohl  Sozialisten  als
bittere  Gegner  des  Sozialismus  —  dazu  bewegt,  für  die  Erleichterung
der  Ehescheidung  einzutreten  mit  der  Begründung,  daß  eine  liebeleere
Ehe  ein  Krebsschaden  im  Herzen  der  Gesellschaft  sei.  Die  Notlage,
in  der  sich  Mütter  kleiner  Kinder  so  oft  befinden,  hat  einen  Vorschlag
angeregt,  der  als  ein  sozialistischer  oder  als  einer  von  sozialistischer
Tendenz  angesehen  wird:  nämlich  die  Mütter  auszusteuern,  weil  sie
            
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