Full text : Sozialismus und Regierung

tragen,  direkt  aufzubürden  und  sie  den  erzieherischen  und  mäßigenden
Wirkungen  des  uneingeschränkten  Wahlrechtes  zu  unterwerfen.
Übrig  bleibt  noch  die  Frage,  wie  weit  das  Geschlecht  ein  Grund  der
Ausschließung  sein  soll.  W’äre  der  Staat  noch  in  seiner  militärischen
Entwicklungsperiode,  in  der  seine  Hauptaufgabe  ist,  sich  mit  Waffengewalt ­
  zu  behaupten  und  in  der  die  gewerblichen  Arbeiter  ebenfalls
nicht  wahlberechtigt  sind,  so  hielte  ich  das  Argument,  daß  die  Frauen
ausgeschlossen  werden  müssen,  weil  sie  dem  Staat  bei  feindlichen  Angriffen ­
  nicht  helfen  können,  für  die  Sache  der  Frauen  verhängnisvoll,
seine  sachliche  Richtigkeit  immer  vorausgesetzt.
Doch  erstens  ist  es  gar  nicht  so  fest  ausgemacht,  daß  die  Frauen
nicht  das  gleiche  Maß  Verantwortung  für  die  Landesverteidigung  wie
die  Männer  trügen,  wenn  wir  noch  in  jenem  Stadium  lebten.  Die
Rolle,  die  die  holländischen  Frauen  während  unseres  Krieges  gegen
die  südafrikanischen  Republiken  spielten,  indem  sie  die  Männer  zum
Kampfe  entflammten,  kann  jeden  Vergleich  mit  der  Arbeit  der  Felddienst ­
  verrichtenden  Soldaten  aushalten.  Stets  haben  die  Frauen  in
hervorragender  Weise  in  die  Verteidigung  von  Nation  und  Rasse  eingegriffen. ­
  Wurde  unter  den  primitiven  Völkern  ein  Stamm  überwunden, ­
  so  zog  er  sich  manchmal  in  abgelegene  Orte  zurück,  bis  die  Lücken
der  männlichen  Bevölkerung  genügend  ausgefüllt  waren,  das  Kriegsglück ­
  von  neuem  zu  versuchen 1 .  Der  Einfluß  der  Mütter  drängte  während ­
  dieser  Schonzeit  alles  zurück.  In  ihren  Herzen  waren  der  Haß
und  die  Bestimmung  ihres  Stammes  konzentriert,  und  die  sexuelle
Auswahl,  die  sie  beaufsichtigten,  diente  nur  militärischen  Zwecken.
Je  deutlicher  und  kräftiger  ihr  Wille  den  auf  seine  Daseinserhaltung
gerichteten  Willen  des  Stammes  ausdrückte,  desto  erfolgreicher  gestaltete ­
  sich  dieses  Ringen  des  Stammes.
Dasselbe  beobachten  wir  beim  Rassegefühl,  das  in  politische  Bewegungen ­
  mit  entsprechenden  Zielen  ausbricht,  wo  mehrere  Rassen
Zusammenleben.  In  Indien  behandeln  die  Frauen  jeden  mit  der  größten ­
  Härte,  der  sich  mit  Angehörigen  fremder  Rassen  vermischt,  und
in  Amerika  beschwingt  der  Zorn  der  Frauen  die  Leidenschaft,  die  in
1  Dies  war  der  Fall  bei  den  Maori,  demzufolge  ihr  System  des  Landeigentums,
das  dem  Stamm  gehörte,  modifiziert  wurde.  Ein  eroberter  Stamm  behielt  stets
ejne  Art  Retentionsrecht  auf  das  ihm  abgenommene  Land,  so  daß  der  Besitz  ihrer
Eroberer  niemals  ein  ganz  ausschließlicher  werden  kann,  weil  diese  zu  jeder  Zeit
von  einer  Armee  der  ursprünglichen  Eigentümer  herausgefordert  werden  können.
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