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VII. AWbidnitt: Einzelne SoHuldverhältnifje.
6, Hat der Gläubiger in Unkenntnis von dem einfhlägigen Wandel der VBerhält-
nifile von einem 3zuläfligen Widerrufe feinen Gebrauch gemacht und das Darlehen
gegeben, jo fommt 8610 von felbft außer Anwendbarkeit. Denn, wie in PR. Il, 50
erörtert wird, ijt durch die DarlehenShingabe das „Berfprechen“, von dem allein
3 610 handelt, erfüllt und erledigt, Kann alfo auch nicht mehr widerrufen werden, {fo daß
uch ein EEE DE aus dem Gefichtspunit ungerechtfertiger Bereicherung
nicht befteht Gibereinftimmend YL®. Rolmar in D. Iur.3. 1903 S. 456; dagegen läßt
Dertmann Bem. 7 einen Bereidherungsanfpruch 31).
Dagegen wird das Widerrufsrecht des S 610 bei Jukzeffiver KU des
Darlehensverfprechen3 durh Teilerfüllung noch nicht erlöfhen, val. NOS. Bd. 52
S, 5 {f., Aublenbek in IJur. Widhr. 1904 S. 380, 381 und Handiomm. z. BOB. I
S, 290 Ab6f. 3.
7. YNeber den Unterfhied zwilhen einem Rüctritte vom Darlehensvertrag
und einer vorbehaltenen vorzeitigen Zurüdforderung des Darlehens vgl. ROLE,
Bd. 52 S,5ff. und bal. hiezu RAuhlenbed in Jur. Wichr. 1904 S. 380 und 381, Stahl
a. a. ©. S. 16, f. aber au Dertmann in Bem. 3.
8. Wenn der andere Teil nur um deswillen in Zahlungsfidhwierigkeiten geriet, weil
ıbm das verfprodhene Darlehen vertragswidrig vorenthalten wurde, kann nach dem
Sinne der GefebeSvorfdhrift und nach den ®rundfäßen von Treu und Olauben das Ver:
iprechen nicht widerrufen werden, val. ROGES., Necht 1907 Nr. 3296.
| 9. Wenn zur Zeit des Widerrufs die Borausfekungen des S 610 vorlagen, it durch
den Widerruf der Anfpruch auf Gewährung des Darlehens endgültig erlof hen;
diefer lebt dann nicht wieder auf, wenn etwa TE die Gefährdung des Anfpruchs
wieder behoben mird. VLG®. Frankfurt, Recht 1907 Nr. 442.
10. Das Darlehensverfprechen kann au dem Gläubiger gegenüber widerrufen
yerden, der fihH den Anipruh des Verfprechensempfängers auf Wuszahlung der Valkuta
at S #8 n und überweifen lafjen und auf Wuszahlung Klage erhoben hat, fäch]. Arch.
L N A
| 11. Der Widerruf kann auch noch in dem die Auszahlung des DarlehHen8 ver-
olgenden Krozeffe erfolgen, ROS., Recht 1909 Nr. 1674, Gruchot, Beitr. Bd, 53 S. 837.
12. Neber Widerrufsrecht des Mitübernehmer3 val. Reichel, Schuldmitz
ibernabme &S. 432.
Sechiter Titel.
Dienftvertrag.”)
(Erläutert von Dr. Karl Kober.)
Borbemerkung.
EL. Allgemeines:
Unter den Vertragserjdheinungen des täglidhen LebenS hat der Dienftvertrag eine& der
öreiteften UnwendungZgebiete. Diejer Bedeutung entjpridht e8, daß dem RechtZverhältniz im
BOB. eine eingehende Regelung zuteil geworden ift. Noch im €. I 88 458 ff. waren Dienft-
nertrag und Werkvertrag in einem Titel, wenn auch unter verichiedenen Riffern, ver
* Ziteratur: Lömenfeld, „Neber den Dienft-, Werk: und Auftraga2vertrag nach
dem Entmurfe des BGB.“ in den Gutachten au3 dem Unmwaltftande S, 858 ff.; Hadhen=
5urg, Dienftvbertrag und Werkvertrag im BSGB., Mannheim 1898; Ph. Lotmar, Der
Arbeitsbertrag nach dem Brivatrecht des Deutjchen ReicheS, Leipzig 1902, 1. Bd., 2. Bd. 1908;
w. Sigel, Der gewerbliche Arbeitsvertrag nach dem BGB., Stuttgart 1903; Seeb, BPrivats
rechtliche Stellung de8 Redakteur8 in BI. f. RA. Erg.-Bd. 13 S. 118 ff.; Opet, Der BlüihHnenz
ngagement3vertrag (Archiv f. d. zivilijt. Praxis Bd. 86 S. 155 ff); Burdhard, Das
Recht der Schaufpieler, Stuttgart 1896; Nelken, Die deutiden Handwerker: und Arbeiter
Hußgefege, Kommentar, Berlin 1901; Prenner, Der gemwerblidge Arbeitsbertrag nach
jeutidem Recht, Münden 1902; Sinzheimer, Lohn und Aufreghnung, Berlin 1904;
uhlenbed in Kur. Wichr. 1904 S, 593 F., LX: Der Dienitvertraa; Fu ld. Das ReichZaericht