Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Fischbein

1?2

Fischhaut

Einstellung  besonderer  Eiswagen  auch  dem
Binnenlande  in  steigenden  Mengen  zugeführt
werden.  Lebende  Binnenlandfische  werden  mittels ­
  Fuhrwerk  in  Fischfässern  befördert,  die  bei
5501  Inhalt  mit  2—2'/,  Ztr.  Karpfen,  2Ztr.  Hecht,
U/2  Ztr.  Zander  oder  25—30  St.  Streichkarpfen
besetzt  werden.  Das  Faß  wird  halb  oder  für
Zander  und  Barsche  ganz  gefüllt,  da  die  Stachelflossen ­
  der  Tiere  sonst  Verletzungen  verursachen ­
  können.  Für  weite  Entfernungen  muß
bei  warmer  Witterung  durch  Zusatz  von  Eis
und  Einblasen  von  Luft  unterwegs  für  Abkühlung ­
  und  Lüftung  gesorgt  werden.  Im
kleinen  kann  man  wertvolle  Fische  auch  in
ausgehöhltem  Brot,  in  befeuchtetem  Moos  oder
in  frischem  Klee  versenden.  Sie  halten  sich  auf
diese  Weise  mehrere  Tage  lang.  Im  Handel
unterscheidet  man:  See-,  Fluß-,  Bach-  und
Teichfische.  Die  letzteren  müssen  vor  dem
Gebrauch  längere  Zeit  in  reinem  Wasser  aufbewahrt ­
  werden,  um  den  Schlammgeschmack
zu  verlieren.  Bei  frisch  getöteten  Fischen  sind
die  Kiemen  rot,  die  Augen  durchsichtig  und
prall  hervortretend,  und  das  Fleisch  ist  derb
und  elastisch,  so  daß  Fingereindrücke  bald  verschwinden. ­
  Der  Geruch  an  den  geöffneten  Kiemen ­
  muß  frisch  sein,  während  zu  alte  Fische
widerlich  riechen.  Bei  nicht  mehr  frischenFischen
ist  die  Hornhaut  trübe  und  undurchsichtig,  das
Auge  eingefallen,  die  Umgebung  desselben  gerötet, ­
  die  Kiemen  sind  blaß,  geiblich  oder  schmutzig ­
  grau,  das  Fleisch  ist  welk,  und  Fingereindrücke
  verschwinden  nur  langsam  wieder.
Verdorbene  Fische  wirken  giftig,  da  sich  in
ihnen  ptomainartige  Alkaloide  bi.den.  Zur  Vortäuschung ­
  einer  frischen  Beschaffenheit  werden ­
  die  Kiemen  bisweilen  künstlich  rot  gefärbt.
Als  eingesalzene  und  marinierte  Fische,
ferner  auf  dem  Roste  gebraten,  mit  Öl  bestrichen, ­
  in  Essig,  Salz,  Gewürze,  Kräuter  und
Lorbeerblätter  eingelegt,  oder  frisch,  mit  Salz
vermischt,  eingepackt,  werden  besonders  Lachs,
Thunfisch,  Stör,  Aal,  Sardellen,  Heringe  und
Bricken  in  den  Handel  gebracht.  Getrocknet,
eingesalzen  und  gedörrt,  finden  Stockfisch,  Platteise ­
  und  Dorsch,  geräuchert  besonders  Aale
und  Heringe  Verwendung.  Wertvollere  Fische
kommen  in  Büchsen  in  den  Handel.  Die  wichtigsten ­
  Fische  sind  nach  Bedeutung,  Fang,  Aufbewahrung ­
  und  Verwertung  besonders  beschrieben ­
  worden.  Der  Gesamtverbrauch  Deutschlands ­
  an  frischen  und  zubereiteten  Fischen  wurde
für  1912  auf  rund  580000  t  geschätzt,  von  denen
361000  t  (meist  Seefische)  aus  dem  Auslande
stammten.
Fischbein  (Walfischbarten,  frz.  Baieine,
engl.  Whale  bone)  wird  besonders  von  den  im
nördlichen  Eismeer  vorkommenden  Walen,  dem
gemeinen  Walfisch  (Balaena  mysticetus)  und
dem  Finnfisch  (Balaenoptera),  in  geringerer  Güte
auch  von  dem  Südwal  (B.  australis)  gewonnen.
Große  Tiere  liefern  2000—2500  kg,  kleinere  etwa
750  kg  F.  Die  Barten  bilden  lange,  sensenartige
Platten,  die  im  Oberkiefer  eingereiht  sind  und
sich  in  Vertiefungen  des  Unterkieferseinsenken.
Ihre  Farbe  ist  beim  eigentlichen  Wal  am  Grunde
grünlichgrau,  nach  obenhin  fast  schwarz,  beim
Finnfisch  gleichmäßig  schwarz,  die  Größe  entspricht ­
  derjenigen  des  Tieres  und  läßt  einen

Schluß  auf  die  letztere  zu.  Von  den  etwa  600
bis  700  Barten  werden  nur  die  mittleren  und
größten,  von  denen  die  in  der  Mitte  des  Rachens
stehenden  eine  Länge  von  t’/a—4  In  bei  20  bis
50  cm  Dicke  erreichen,  verwertet,  indem  man
sie  in  den  Fischbeinreißereien  nach  dem  Abputzen ­
  der  faserigen  Bärte  zersägt,  die  in  heißem
Wasser  eingeweichten  Stücke  alsdann  im,Schraubstock
  mit  einem  zweigriffigen  Bogenmesser
spleißt  und  schließlich  glatt  schabt.  Man  läßt
die  Stücke  so  lang  als  möglich,  da  hierdurch
ihr  Wert  in  hohem  Maße  bedingt  wird.  Durch
Erwärmen  mit  Wasserdämpfen  oder  heißem
Sande  läßt  sich  F.  wie  Horn  erweichen  und
dann  durch  Pressen  zu  Dosen,  Stockknöpfen
u.  dgl.  verarbeiten,  die  mit  Filz  und  einem  aus
Kalk  oder  feinem  Bimsstein  bestehenden  Pulver ­
  geschliffen  und  poliert  werden.  Hauptsächlichste ­
  Verwendung  findet  F.  zu  Korsett-  und
Schirmstangen,  Stöcken,  Reitpeitschen,  Korbund
  Kammwaren.  Die  feinen  Schabspäne  werden ­
  wie  Roßhaar  zum  Polstern  benutzt.  —  Als
Ersatz  für  das  seltener  und  teurer  werdende  F.
kommt  hauptsächlich  Zelluloid  sowie  mit  Kautschuklösung ­
  getränktes  S.uhlrohr  (Walossin)
in  Frage.  —  Weißes  Fischbein  nennt  man
auch  die  Sepia  (s.  d.).
Fischguano  (Fischmehl,  frz.  Guano  de  poissons,
  engl.  Fish  manure),  ein  künstliches  Düngemittel, ­
  dem  eigentlich  der  Name  Guano  nicht
zukommt,  da  es  nicht  aus  Exkrementen,  sondern ­
  aus  den  getrockneten  und  zerkleinerten
Abfällen  der  Stockfische,  Heringe  und  Tranbereitung
  besteht,  wird  in  steigendem  Maße
besonders  aus  Norwegen  nach  Deutschland
eingeführt.  Eine  besondere,  aus  dem  zerkleinerten ­
  und  getrockneten  Fleisch  der  Haifische ­
  bestehende  Art  kommt  unter  dem  Namen
Haifischguano  in  den  Handel.  Die  Zubereitung ­
  des  F.  erfolgt  in  der  Weise,  daß  man  die
Fischmasse  in  Zylindern  mit  heißen  Wasserdämpfen ­
  behandelt,  dann  Wasser  und  Tran  ablaufen ­
  läßt  und  abpreßt,  die  Masse  auf  Maschinen ­
  klein  reibt,  trocknet  und  auf  Mühlen
zerkleinert.  Die  norwegische  Plandelsware  erscheint ­
  als  ein  gröbliches,  aus  Krümeln  und
Schüppchen  bestehendes,  gelblichweißes  Pulver
mit  starkem  Fischgeruch,  das  mit  8—10  0/0  Stickstoff ­
  und  12—14  0/0  Phosphorsäure  garantiert
wird.
Fischhaut  (frz.  Peau  de  polsson,  engl.  Fish’s
skin).  Die  Häute  einiger  Haifische,  u.  a.  des
Riesenhais,  Meerengels,  Dornhais  und  des  getigerten ­
  Hais,  bei  denen  die  Schuppen  die
Form  zerriebener  oder  feiner  Stacheln  angenommen ­
  haben,  finden  als  eine  Art  Schleifmittel ­
  technische  Verwendung.  Sie  werden
gleich  nach  dem  Abziehen  auf  Bretter  oder
Rahmen  gespannt,  langsam  getrocknet  und  zu
Tafeln  geschnitten,  wobei  man  die  Flossen,
welche  durch  ihren  feineren  Stachelbesatz  zü
feineren  Schleifereien  besonders  geeignet  sind,
an  ihrem  Platze  läßt.  Die  meisten  derartigen
Stücke  kommen  vom  Mittelländischen  Meer,
während  die  Stachelfische  der  nördlichen  Meere
keine  so  brauchbare  Ware  liefern.  Die  Fischhaut ­
  wurde  früher  von  Tischlern,  Drechslern,
Lackierern  sowie  einigen  Metallarbeitern  zum
Abreiben  von  Flächen  benutzt,  ist  aber  neuer-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.